Aachener Königspfalz


Die Königspfalz in Aachen war der wichtigste früh- und hochmittelalterliche Herrschersitz des fränkischen und später ostfränkisch-deutschen Königreiches. Ihre Bedeutung verdankte sie vor allem dem Umstand, dass sie die Lieblingspfalz Karls des Großen war. Schon durch ihre bloße Größe ungewöhnlich, wurde sie im äußersten Osten der Kernlandschaft der frühen Karolinger errichtet, deren Zentrum um Lüttich und Herstal lag. Von der karolingischen Anlage steht noch die Pfalzkapelle (Oktogon und Westwerk) des Aachener Doms sowie der später aufgestockte Granusturm des Aachener Rathauses, das auf den Grundmauern der Aula regia steht.

In der Pfalzkapelle der Anlage, Teil des heutigen Aachener Doms, wurden über einen Zeitraum von 600 Jahren mehr als 30 römisch-deutsche Könige gekrönt, die sich in der direkten Nachfolge Karls des Großen sahen.

Schon zu Zeiten des fränkischen Königs Pippins des Jüngeren lassen sich im Gebiet der späteren Pfalz Bauten nachweisen. Diese beschränkten sich wohl eher auf Einrichtungen wie die eines größeren zeitgenössischen Gutshofs. Erst Karl der Große ließ die Pfalz ab etwa 780 zu einer großen Anlage mit Königshalle (Aula regia), Pfalzkapelle, Wohnturm, Garnison und Gerichtssälen ausbauen. Karl verfolgte damit das Ziel, ein „Neues Rom“ (Roma secunda) nördlich der Alpen als Zentrum seines Fränkischen Reiches zu errichten, das sich in der Nachfolge des Römischen Reiches sah. Aachen wurde Karls Lieblingsresidenz einerseits wegen der nahen Waldgebiete, in denen er seiner Jagdleidenschaft nachgehen konnte, und andererseits und vor allem wegen der heißen Thermalquelle, mittels derer der König, der fast jeden Sommer auf Feldzüge ritt, seine Leiden, vor allem die Gicht, lindern konnte.[2] Er ließ sich neben der Pfalz eine Thermenanlage nach römischem Vorbild erbauen. Nach 795 hielt er sich nur noch dreimal während des Winters an anderen Orten auf.[3] Es kann angenommen werden, dass die Pfalzkapelle, erbaut laut einer früheren Wandinschrift durch Odo von Metz, 802 geweiht wurde. Die Weihe durch Papst Leo III. entstammt einer Legende aus dem 14. Jahrhundert.[4] Zu dieser Zeit waren die wichtigsten karolingischen Anlagen bereits vollendet.

Im Jahre 936 wurde in der Aachener Pfalz Otto der Große gekrönt, der damit die Grundlage für die Tradition der Krönung der römisch-deutschen Könige in Aachen begründete.

Im 14. Jahrhundert wurde unter der Leitung des Bürgermeisters Gerhard Chorus anstelle der Königshalle das neue Aachener Rathaus errichtet, da das alte im Grashaus untergebrachte Rathaus nicht mehr repräsentativ genug war. Zur selben Zeit wurde der karolingischen Pfalzkapelle ein erster gotischer Chor angefügt, dem zahlreiche Kapellen in den nächsten Jahrhunderten folgten. Nach Bränden 1624 und 1656 wurden die Dächer der Pfalzkapelle 1664 erneuert.


Hypothetischer, zeichnerischer Rekonstruktionsversuch der karolingischen Aachener Königspfalz basierend auf einer Rekonstruktion von Albert Huyskens und Joseph Buchkremer aus dem Jahr 1924/25, erweitert um die Darstellung des Thermenbezirks aus den 1960er Jahren.[1] Im Hintergrund die Pfalzkapelle, vorn die Aula regia mit dem Granusturm.
Pfalzmodell nach Leo Hugot, 1981
Animation der Aachener Königspfalz
Oktogon der Pfalzkapelle
Rekonstruktion der Pfalzkapelle ohne spätere Anbauten