Amphibien


Unter den Bezeichnungen Amphibien (Amphibia) oder Lurche werden alle Landwirbeltiere zusammengefasst, die sich, im Gegensatz zu den Amnioten („Nabeltieren“), nur in Gewässern fortpflanzen können. In der Zoologie gelten diese Bezeichnungen in erster Linie für heute lebende (rezente) Arten. Weil der Begriff „Amphibia“ in der Wirbeltierpaläontologie weniger exklusiv ist und traditionell immer auch ausgestorbene, frühe Formen der Landwirbeltiere („Ur-Lurche“) mit einschließt, werden die drei rezenten Großgruppen der Lurche (Froschlurche, Schwanzlurche und Schleichenlurche) zur besseren Unterscheidung mit dem Namen Lissamphibia belegt. Wenn im Folgenden von „Amphibien“ die Rede ist, bezieht sich das in der Regel auf die Lissamphibia.

Bei Amphibien verläuft die Individualentwicklung im Allgemeinen über ein im Wasser abgelegtes Ei, aus dem eine im Wasser lebende (aquatile), kiemenatmende Larve schlüpft. Diese Larve durchläuft eine Metamorphose, an deren Ende meist ein lungenatmendes erwachsenes Individuum steht, das zu einem Leben außerhalb von Gewässern befähigt ist. Der wissenschaftliche Name „Amphibia“ (vom altgriechischen Adjektiv ἀμφίβιος amphíbios, deutsch ‚doppellebig‘; gebildet aus ἀμφί amphí, deutsch ‚auf beiden Seiten‘ sowie βίος bíos, deutsch ‚Leben‘[1]) bezieht sich auf die beiden Lebensphasen vor und nach Abschluss der Metamorphose. Aufgrund ihrer Physiologie sind alle Amphibienarten aber auch im Erwachsenenstadium zumindest an Lebensräume mit hoher Luftfeuchtigkeit gebunden. Viele Lurche sind nachtaktiv, um sich vor Fressfeinden zu schützen und Wasserverluste über die Haut gering zu halten.

Die rezenten Amphibien mit ihren drei großen Untergruppen Froschlurche (Anura, Salientia), Schwanzlurche (Urodela, Caudata) und Schleichenlurche (Gymnophiona, Caecilia) werden zusammen mit ihren unmittelbaren fossilen Verwandten auch als moderne Amphibien (Lissamphibia) bezeichnet. Sie sind, wie auch die modernen Reptilien, die Vögel und die Säugetiere, evolutionäre Nachfahren einer bestimmten Gruppe von Knochenfischen, die im Oberdevon ab etwa 380 Millionen Jahren damit begann, ihren Lebensraum auf die Landflächen in der unmittelbaren Umgebung von Binnengewässern auszudehnen (siehe Landgang). Daher werden die Amphibien zusammen mit Reptilien, Vögeln und Säugern in die Gruppe der Landwirbeltiere (Tetrapoda) eingeordnet.


Lebendrekonstruktion eines der ältesten bekannten modernen Amphibien: Triadobatrachus aus der Untertrias von Madagaskar
Das Skelett eines Frosches (historische Zeichnung von 1890) mit unter anderem den enorm verlängerten Hinterbeinen, der stark verkürzten Rumpfwirbelsäule, den weitgehend reduzierten Rippen, dem stark verlängerten Becken und dem reduzierten Schwanz weicht beträchtlich vom Grundbauplan der Landwirbeltiere ab.
Froschlaich
Molchlarve (Lissotriton vulgaris) mit äußeren Kiemen
Passive Abwehrhaltung des Madagaskarfrosches Boophis albilabris
Zur Gruppe der Schwanzlurche gehört beispielsweise Lanzas Alpensalamander (Salamandra lanzai).
Schleichenlurche wie die Ringelwühle (Syphonops annulatus; Illustration) stellen die kleinste Ordnung der Amphibien dar.
Artenvielfalt der Amphibien auf der Erde[11]
Teichfrosch auf Froschbiss-Blättern
Viele tropische Froscharten wie das Madagaskar-Buntfröschchen Mantella expectata bewohnen nur ein kleines Areal und sind oft stark gefährdet.
In einem chinesischen Geschäft zum Verkauf angebotene Frösche