Anamaria Marinca


Anamaria Marinca wurde 1978 in Iași, im Nordosten Rumäniens, in eine Künstlerfamilie hineingeboren.[1] Ab dem sechsten Lebensjahr eiferte sie ihrer Mutter, einer Violinistin, nach, die später Rumänien verließ und in den Westen floh. Marinca studierte das Geigenspiel bis zum achtzehnten Lebensjahr, ehe sie in die Fußstapfen ihres Vaters, eines Schauspielers, trat. Sie studierte Schauspielerei an der Kunsthochschule George Enescu, wo sie von ihrem Vater unterrichtet wurde. Ihre weitere Ausbildung machte sie am Teatrul Tineretului, dem Jugendtheater von Piatra Neamț. Dort gelang ihr später der Wechsel in die Theatergruppe Actiune Teatrala 05, wo sie mit dem französischen Theaterregisseur Christian Benedetti vom Pariser Studio-Théâtre zusammenarbeitete.

Unter seiner Regie erschien sie im Januar 2004 in Edward Bonds Theaterstück Children. Ihm folgten Auftritte in Bühnenstücken von Alexandre Dumas und August Strindberg wie auch moderneren Stoffen von Heiner Müller, den rumänischen Erstaufführungen der Werke Sarah Kanes (Zerbombt, Gier, 4.48 Psychose) oder rumänischen Stücken. Dadurch konnte sich Marinca, die auch Engagements für mehrere Theaterfestivals in Osteuropa erhielt[2], in ihrem Heimatland schnell als ernstzunehmende Bühnendarstellerin etablieren und wechselte später zur Theaterkompanie Bulandra nach Bukarest.[3]

Parallel zur Arbeit am Theater gab Anamaria Marinca 2004 ihr Debüt als Schauspielerin im ausländischen Fernsehen, nachdem sie in Bukarest bei einem Casting für Peter Yates’ zweiteiliges Fernsehspiel Sex Traffic entdeckt worden war.[4] In dem vierstündigen Drama, das in Rumänien und London entstand, schlüpfte sie wie ihre Landsfrau Maria Popistașu in die Rolle eines moldawischen Teenagers, dem eine bessere berufliche Zukunft in London versprochen wird. Tatsächlich geraten die Mädchen an Menschenhändler, die die beiden Schwestern quer durch Rumänien, Serbien, Albanien und Italien nach Großbritannien verschleppen und sie zwingen, der Prostitution nachzugehen. Der kanadisch-britischen Koproduktion (produziert von CBC und Channel 4) war Erfolg bei Kritikern beschieden, die Yates’ Studie als deprimierenden und glaubwürdigen Blick auf die schmutzige Realität des Geschäfts der sexuellen Sklaverei und Korruption bewerteten.[5] Ebenso im Fokus der Kritiker stand die als „hypnotisch“[6] bezeichnete schauspielerische Leistung von Anamaria Marinca. Der Part der Elena, der älteren der beiden verschleppten Schwestern, brachte ihr im Februar 2005 unter anderem den britischen Fernsehpreis BAFTA als beste Darstellerin ein. Bei der Preisverleihung setzte sie sich gegen so bekannte Schauspielerinnen wie Brenda Blethyn (Familienanschluss) durch.


Anamaria Marinca, 2007