Aphrodite


Aphrodite (altgriechisch Ἀφροδίτη Aphrodítē; klassische Aussprache: /apʰrodíːtɛː/; Koine: /aɸroðíti/; modern-philologische Aussprache: /afrodíːtɛː/) ist gemäß der griechischen Mythologie die Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde und eine der kanonischen zwölf olympischen Gottheiten. Sie wurde insbesondere als Schutzherrin der Sexualität und Fortpflanzung verehrt, die sowohl den Fortbestand der Natur als auch die Kontinuität der menschlichen Gemeinschaften gewährleistete.[1] Ihr Pendant in der römischen Mythologie ist Venus.

Die Etymologie des Namens der Göttin wird ebenso wie die Herkunft ihres Kults bis heute kontrovers diskutiert. Seit der Antike wurde der erste Wortteil mit altgriechisch aphrós (ὁ ἀφρός „Schaum (des Meeres)“) zusammengebracht und durch das Attribut aphrogenḗs, aphrogéneia (ἀφρογενής, ἀφρογένεια „die Schaumgeborene“) kommentiert,[2] wobei allerdings die Etymologie des zweiten Wortteils weitgehend dunkel blieb. Seit dem späten 19. Jahrhundert haben daher Indogermanisten[3] und Gräzisten[4][5] eine griechische Herleitungsmöglichkeit für den Götternamen bezweifelt und stattdessen eine orientalische Herkunft vermutet. Allerdings lehnte Martin Litchfield West die von Fritz Hommel vorgeschlagene direkte Ableitung aus dem semitischen Theonym ʿAštart[6] (von dem griechisch Ἀστάρτα, Ἀστάρτη herrühren) ab und setzte an deren Stelle eine – nach eigenem Bekenntnis rein spekulative – Ableitung von einem unbelegten ʿAštart-Epitheton *prāzît „die von den Dörfern“, das in zyprisch-kanaanitischem Dialekt *[ʿaproðiːt] ausgesprochen worden wäre.

Im Jahr 1911 hat Ernst Maaß eine Etymologie vorgelegt, die den Namen neben aphrós auf eine Ableitung des Verbs déatο (δέατο „schien, hatte den Anschein“, rekonstruierter Infinitiv *δέασθαι; vgl. δῆλος „offenbar, deutlich“) zurückführt.[7] Der Name der Göttin würde demnach „die im Schaum (des Meeres) Aufstrahlende“ bedeuten. Dieser Deutung hat sich auch Michael Janda angeschlossen.[8] Darüber hinaus sieht Janda, der daneben eine sekundäre Beeinflussung der mythologischen Vorstellungen um die griechische Aphrodite durch die phönizische ʿAštart für möglich hält, Aphrodite in Übereinstimmung mit Deborah Boedeker[9] und George E. Dunkel[10] als griechische Entsprechung der indischen Göttin der Morgenröte Uṣas, mit der sie neben mehreren Epitheta – darunter das einer „Tochter des Himmels“ (indogermanisch *diṷós dhugh2tēr[r] > griechisch Διός θυγάτηρ Diós thygátēr „Zeustochter“)[11] und das der „gern (oder hold) lächelnden“ (griechisch φιλομμειδής philommeidḗs)[12] – auch das verführerische Auftreten teile.


Die Aphrodite von Melos, um 120 v. Chr. (heute im Louvre, Paris)
Fresko der Aphrodite als Anadyomene, vielleicht nach einem Bildnis des Apelles, Pompeji
Darstellung der Aphrodite Anadyomene auf dem Ludovisischen Thron, vermutlich um 460 v. Chr. (Museo Nazionale Romano)
Sandro Botticelli: Die Geburt der Venus, 1485 (Uffizien, Florenz)
Die sogenannte Aphrodite von Fréjus, römische Kopie nach einem Original aus dem späten fünften Jahrhundert v. Chr., vielleicht von Kallimachos (Louvre)
Aphrodite und Adonis auf einer attisch-rotfigurigen Lekythos, spätes fünftes Jahrhundert v. Chr. (Louvre)
Das Urteil des Paris auf einem Mauerfragment aus Pompeji (Archäologisches Nationalmuseum Neapel)
Aphrodite von Knidos, römische Kopie nach einem Original des Praxiteles aus dem vierten Jahrhundert v. Chr. (Museo Nazionale Romano)
Dem Bade entstiegene Venus des Medici-Typs (Sanssouci, Potsdam)
Aphrodite auf einem Schwan, rotfiguriges Tondo des Pistoxenos-Malers auf einer weiß grundierten attischen Kylix, um 460 v. Chr. (British Museum, London)
Kopf einer Aphroditestatue des kapitolinischen Typs, römische Kopie aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr. (Louvre)
Aphrodite von Knidos, Kopf einer Statue nach einem praxitelischen Original, um 150 v. Chr. (Louvre)
Achat-Onyx-Kamee der Aphrodite epitragía, um 100 v. Chr. (Archäologisches Nationalmuseum Neapel)
Florentiner Statue der Aphrodite, fotografiert von Giorgio Sommer
Statue der sogenannten Aphrodite Kallipygos, gefunden in Rom (heute im Archäologischen National­museum Neapel)