Apsis


Die Apsis (von altgriechisch ἁψίς hapsís „Gewölbe“ bzw. im ionischen Dialekt ἀψίς apsís;[1] Plural ἀψίδες apsídes ‚Apsíden‘; als Singular kommt auch eine fälschlich vom Plural ‚Apsiden‘ abgeleitete Singularform Apside vor) ist ein im Grundriss halbkreisförmiger oder polygonaler Raumteil, der an einen Hauptraum anschließt und meist von einer Halbkuppel überwölbt wird. Seltener, aber in einigen Kulturräumen wie z. B. in England vorherrschend, sind rechteckige oder quadratische Apsiden.

Apsiden sind typische Bestandteile von antiken Basiliken (Markt- oder Gerichtshallen). Sie treten in der Regel aus der Wandfläche hervor, können aber auch im Baukörper liegen oder rechtwinklig ummantelt sein. Die Apsis wird meist von einer Halbkuppel, der Apsiskalotte, überdeckt, kann aber auch eine Flachdecke oder einen Dachstuhl haben. Kleine Apsiden, meist von anderen Apsiden ausstrahlend, werden als Apsidiolen bezeichnet. Apsiden unterscheiden sich von Wandnischen durch ihre Größe und Begehbarkeit.

Die Apsidenform stammt aus der Exedra und Tribuna des griechischen Profan- und römischen Sakral- und Profanbaus. Nicht selten war die Längsachse römischer Basiliken durch zwei gegenüberliegende Apsiden markiert (Volubilis, Leptis Magna) – eine Konstellation, die sich auch an einigen bedeutenden Kirchenbauten des Mittelalters findet (z. B. Trierer Dom, Kathedrale von Nevers u. a.).

In der antiken Architektur wurden vielfach Nischen als Bauelemente verwendet, um Teile eines Raums hervorzuheben, als Bauschmuck und als Rahmen (Ädikula) für Statuen und Plastiken. Die Basiliken der römischen Kaiserzeit haben häufig an einem Ende eine Apsis für die Kaiserstatue. Somit kann die Apsis auch als Figurennische verstanden werden. Eine durchgängige Orientierung der Apsiden ist bei antiken Bauten nicht festzustellen, obwohl sich allmählich eine Ost-West-Ausrichtung durchsetzte.

Von den Basiliken der römischen Kaiserzeit leitet sich der christliche Kirchenbau ab, der die Apsis übernahm. Nach dem sogenannten Toleranzedikt von Mailand (313, Anerkennung des Christentums) nahm die christliche Architektur und Plastik einen starken Aufschwung. Als erste große christliche Basilika hatte die Laterankirche (319) eine Apsis für den erhöhten Altar.

In vielen Kirchen ist der östliche Abschluss des Kirchenraums – dem Eingang bzw. dem Kirchturm gegenüber – halbkreisförmig als Apsis ausgebildet. Dort befindet sich die leicht erhöhte Plattform für den Altar. In der Spätantike wurde sie häufig mit einer hölzernen oder gemauerten Priesterbank versehen, dem Synthronon.


Rosa markiert: Apsis einer Kirche
Apsis im spätantiken Profanbau: die Basilika in Trier
Apsis im spätantiken Kirchenbau: Santa Sabina, Rom
Apsis als Abschluss des Mittelschiffs in Sant’Apollinare in Classe, Ravenna
Ostansicht des Speyerer Doms mit Apsis
Apsis der Ruine Kloster Heisterbach
Glasfenster von Wilhelm Geyer, Apsis St. Margareta in Margrethausen
Aurangabad Caves, IndienChaitya-Halle mit Apsis