Artist (Darsteller)


Ein Artist (von mittellateinisch artista und französisch artiste) gehört zu den darstellenden Künstlern. Seit Ende des 18. Jahrhunderts übt er eine jeweils hoch spezialisierte Kunstfertigkeit von körperlicher Geschicklichkeit, die Artistik, als Bühnenkünstler zumeist in Theatern, Varietés, Zirkussen oder als Straßenkünstler aus. Als Berufsverband der darstellenden Künstler fungiert in Deutschland die Internationale Artisten-Loge.

Artisten sind seit der Antike Bestandteil des kulturellen Lebens. Damals wie auch heute sind Artisten, z. B. Jongleure, Künstler, die ihr Publikum zum Staunen, Lachen und Wundern bringen. Neben Auftritten, beispielsweise im Zirkus, nimmt die Artistik auch bei einigen Sportarten eine Schlüsselrolle ein, insbesondere beim Kunstturnen. Sie besitzt auch eine Bedeutung bei manchen Tanzformen wie Rock ’n’ Roll und Breakdance. Im Großen und Ganzen wird die kulturelle Bedeutung der Artistik heute eher unterschätzt, obwohl sie auch bei zahlreichen „modernen“ Extremsportarten wie Freeclimbing, Parkour, Skateboarding eine große Rolle spielt.

Neben den typisch kulturellen Anlässen gibt es auch Traditionen mit artistischen Anteilen, wie beispielsweise die des Düsseldorfer Radschlägers.

Unter den Begriff Artistik fallen mehrere Formen: Antipodisten balancieren und werfen Gegenstände oder Menschen (als Ikarier) mit den Füßen. Die Kontorsionisten (Schlangenmenschen) zeigen ihre Beweglichkeit auf Podesten oder am Trapez. Artisten auf dem Schleuderbrett oder dem russischen Barren beeindrucken mit komplizierten Salti und Schrauben. Die Hochseilartisten und Trapezkünstler präsentieren ihre Kunststücke in der Kuppel des Zirkus. Auf dem Rücken von Pferden zeigen Voltigeure akrobatische Figuren. Eine etwas aus der Mode gekommene Disziplin ist der Kraftakrobat, hier werden besonders anstrengende Figuren betont.

Die Clowns überbrücken einerseits mit kleinen Späßen (Reprisen) die Umbauten zwischen den Nummern, andererseits bieten sie auch längere Szenen (Entrees) dar. Dompteure oder Dresseure und Kunstreiter arbeiten mit Tieren. Die Equilibristen befassen sich mit allen Arten von Balancen. Zur Äquilibristik zählen demnach auch die Darbietungen der Handstand-, Percheartisten und Seiltänzer. Jongleure jonglieren meist mit Zigarren Kisten, Hüten, Ringen, Keulen und Bällen. Diese betätigen sich wie die Feuerspucker oder Feuerschlucker auch häufig als Straßenkünstler. Einer der bedeuteten Jongleure war Enrico Rastelli. Heute eher selten zu sehen sind Kunstschützen und Messerwerfer. Entfesselungskünstler verblüffen ihre Zuschauer ebenso mit einer besonderen Geschicklichkeit wie auch der Papiermanipulator mit seinen Reißtechniken. Des Weiteren sollte man auch den Handschattenspieler und die fast vergessene Kunst der Chapeaugrafie in die Sparte Artist einordnen.


Gesetz über die Versicherung der Artisten (1938, Deutsches Reich)