Assyrische Kirche des Ostens


Die Assyrische Kirche des Ostens (vollständiger Name: Heilige Apostolische und Katholische Assyrische Kirche des Ostens, aramäisch ܥܕܬܐ ܩܕܝܫܬܐ ܘܫܠܝܚܝܬܐ ܩܬܘܠܝܩܝ ܕܡܕܢܚܐ ܕܐܬܘܪ̈ܝܐ ʿĒḏtā Qaddīštā wa-Šlīḥāytā Qāṯōlīqī ḏ-Maḏnḥā ḏ-ʾĀṯūrāyē) ist eine autokephale und völlig eigenständige Ostkirche syrischer Tradition in Nachfolge des im Sasanidenreich entstandenen altchristlichen Katholikats von Seleukia-Ktesiphon.

Das Katholikat spaltete sich Mitte des 16. Jahrhunderts in zwei heute etwa gleich große Zweige: (1) die traditionelle, weiterhin unabhängige „Kirche des Ostens“ (später beigenannt „assyrisch“) und (2) die mit dem Papst in Rom unierte, eigenberechtigte chaldäisch-katholische Kirche („Patriarchat von Bagdad“). Zur Assyrischen Kirche gehört eine indische Metropolie der Thomaschristen; deren katholisch-ostkirchliches Gegenüber ist die erheblich größere syro-malabarische Kirche.

Die nicht mit Rom geeinte Assyrische Kirche des Ostens hat sich seit den 1960er Jahren über die Streitfrage der Einführung des gregorianischen Kalenders ihrerseits gespalten in (a) die weltweit agierende „Heilige Apostolische und Katholische Assyrische Kirche des Ostens“ (auf die sich dieser Artikel konzentriert) mit Sitz des Patriarchen in Ankawa (1940 bis 2015 in Chicago) und (b) die wesentlich kleinere, auf den Irak konzentrierte, aber auch in den USA und Deutschland präsente „Alte Apostolische und Katholische Kirche des Ostens“ (auch „Assyrische Altkalendarier“ genannt) mit Patriarchensitz in Bagdad.

Die vollständige Bezeichnung lautet heute Heilige Apostolische und Katholische Assyrische Kirche des Ostens. Der Namensbestandteil „katholisch“ leitet sich vom Nicäno-Konstantinopolitanum (μίαν, Ἁγίαν, Καθολικὴν καὶ Ἀποστολικὴν Ἐκκλησίαν) ab, wo er wörtlich "allgemein" bedeutet, und beinhaltet keine Bindung an die römisch-katholische Kirche. Der heute mit dem römischen Papst geeinte Flügel der Kirche nennt sich chaldäisch-katholische Kirche.

Der ursprüngliche Name lautet Kirche des Ostens. Damit wurde ausgedrückt, dass sie für die Christen östlich der Grenze des Römischen Reiches zuständig war, im Perserreich bzw. im Kalifat von Bagdad und darüber hinaus. Nach dem ursprünglichen Kerngebiet ihrer Verbreitung wird sie auch „persische Kirche“, „mesopotamisch-persische Kirche“ oder „ostsyrische Kirche“ genannt. Aufgrund der Ablehnung der Konzilien von Ephesos (431) und Chalkedon (451) spricht man auch von Nestorianischer Kirche.


Assyrische Sankt-Johannes-der-Täufer-Kathedrale in Ankawa bei Erbil (Irak), 2018, eingeweiht 2008, seit Inthronisierung des Katholikos-Patriarch Gewargis III. 2015 Hauptsitz des assyrischen Katholikos
Assyrische St.-Marien-Kirche (Mat Marjam) in Moskau
Nachgewiesene Gemeinden, archäologische Fundstätten, (teilweise) getaufte Stammesverbände und Regionen, Bischofs-, Metropoliten-(Erzbischofs-) und Patriarchensitze und territoriale Erzbistümer der Kirche des Ostens in der Zeit der größten missionarischen Ausdehnung 6.–13./14. Jahrhundert.
Kloster Rabban Hormizd bei Alqosch, vom 16. bis Anfang 19. Jahrhundert Sitz und Grablege der Patriarchen der „Elias-Linie“
Patriarchat in Qudschanis, Zentrum der „Bergnestorianer“
Sitz des assyrischen Katholikos in Chicago bis 2015