Bairische Kennwörter


Bairische Kennwörter sind eine kleine Zahl von linguistischen Merkmalen, die als Kennzeichen der verschiedenen bairischen Dialekte gelten und in keinem anderen deutschen Dialekt vorhanden sind. Diese Kennwörter waren um das Jahr 1900 typisch für alle bairischen Dialekte in Bayern, Österreich und Südtirol, sind aber in der modernen Umgangssprache und urbanen Dialekten weitestgehend verschwunden und so mittlerweile in manchen Regionen nur mehr als historisch zu betrachten. Das Zimbrische in Oberitalien, dessen Ursprung in der Forschung lange umstritten war, weist auch die bairischen Kennwörter auf und wird deshalb ebenfalls als bairischer Dialekt eingestuft.

Die bairischen Dialekte sind eine relativ heterogene Gruppe von Sprachvarietäten, die jedoch zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen und historisch gesehen einen gemeinsamen Ursprung im Mittelalter haben. Viele Merkmale, die als typisch bairisch gelten, treffen aber nicht auf alle Dialekte dieser Gruppe zu. Oft werden Merkmale als typisch bairisch wahrgenommen, die nur für die mittelbairischen Dialekte des Alpenvorlands und des Donauraums gelten, während die Dialekte an den geographischen Rändern, besonders in den Alpenregionen sowie im Norden in der Oberpfalz, teilweise anderen Lautgesetzen folgen und sich auch durch das Vokabular vom Mittelbairischen unterscheiden. Daneben bestehen im geographisch zentral gelegenen Raum Unterschiede zwischen den Dialekten in Altbayern und Österreich.

Weitere sprachliche Merkmale, die für alle bairischen Dialekte gelten, findet man jedoch nicht exklusiv nur dort. Durch gegenseitige Beeinflussung und ähnliche sprachliche Entwicklungen kann es vorkommen, dass als typisch bairisch wahrgenommene Merkmale durchaus auch in den westlich angrenzenden alemannischen Dialekten zu finden sind oder in den nördlich angrenzenden ostfränkischen Dialekten. Der Einfluss der neuhochdeutschen Standardsprache, der auf alle deutschen Dialekte und Regionalidiome wirkt, hat es weiter erschwert, klare Unterscheidungen zwischen den Dialektfamilien zu definieren.

Die Sprachwissenschaft wollte in diesem Problemfeld Merkmale finden, die eine wissenschaftlich exakte Zuordnung ermöglichen. Ein Konzept dieser Forschung wurde von dem aus Kärnten stammenden Germanisten und Dialektologen Eberhard Kranzmayer definiert, der durch intensive Feldforschung eine kleine Gruppe von Merkmalen erkennen konnte, die wirklich nur auf die bairischen Dialekte beschränkt ist. In einer Publikation aus dem Jahr 1960 hat er diese Bairische Kennwörter genannt.

Seine empirischen Daten, auf denen diese Definition beruht, stammen zum einen aus historischen Texten, vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit, sowie aus dokumentierten Sprachproben aktiver Dialektsprecher bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Alle bairischen Basilekte weisen die vom Standarddeutschen abweichenden Pronomen für die 2. Person Plural auf, nämlich és und enk. Beispiele: