Schraube


Eine Schraube ist ein zylindrischer oder leicht kegeliger (konischer) Körper, in dessen Oberfläche ein Gewinde eingeschnitten oder -gewalzt ist. Bei Schaftschrauben (Schrauben mit Teilgewinde) ist nur ein Teil des Schafts mit einem Gewinde versehen. An einem ihrer Enden (bei der Schaftschraube am gewindefreien Ende) befindet sich in der Regel ein Schraubenkopf. Über das »Kinn« des Schraubenkopfes (die untere Ringfläche) erfolgt die Kraftübertragung auf das zu befestigende Bauteil. An einem Ende der Schraube (bei der Kopfschraube am Kopf) befindet sich der sogenannte Drehantrieb. Dieser besitzt eine passende Kontur für den Formschluss mit dem Werkzeug, meist ein Schraubendreher, ein Schraubenschlüssel oder auch Bit, mit dem die Schraube ein- und ausgedreht werden kann. Nebst dessen existieren auch Schrauben, die per Hand gedreht werden und am Kopf über eine Rändelung, Flügel oder einen Sterngriff oder vergleichbares (vgl. Blattschraube) verfügen.

Die beiden Hauptgruppen sind selbstschneidende Schrauben (umgangssprachlich „Holzschrauben“: leicht konisch, das Gegengewinde wird beim Eindrehen in das Werkstück aus Holz, Kunststoff, Metall oder Stein geschnitten) und Schrauben mit Regelgewinden (umgangssprachlich „Metall-“ oder „Maschinenschrauben“: zylindrisch, das Gegengewinde wird bereits vor der Verschraubung in das Werkstück, meist Metall oder Kunststoff, geschnitten). Schrauben sind in vielen Formen genormte Maschinenelemente.

Eine mit einer Schraube hergestellte Verbindung ist in der Regel reversibel und lösbar. Ausnahmen stellen hier z. B. Schrauben-Antriebe dar, die nur in Einschraubrichtung einen Kraftschluss ermöglichen (z. B. bei manipulationssicheren Geräten) - diese können ohne spezielle Werkzeuge (Ausdreher) nicht wieder gelöst werden.

Im ersten Jahrhundert v. Chr. waren im Mittelmeerraum Spindelpressen aus Holz zum Auspressen von Öl- und Weinfrüchten bekannt. Diese Pressen geben eine frühe Auskunft von der Umwandlung einer Drehbewegung zwischen Schraube und Mutter in eine Längsbewegung zwischen beiden und den ältesten Hinweis auf die Kraftverstärkung (Keil-Wirkung zwischen den Gewindegängen; Prinzip der schiefen Ebene) mittels Schraube (und Mutter).

Erste Metallschrauben wurden vereinzelt in der römischen Antike angefertigt, wie beispielsweise die Nadelhalter an mehreren Zwiebelknopffibeln aus dem 4. Jahrhundert, die als von den Römischen Kaisern vergebene prunkvolle Rangabzeichen nicht nur aus wertvollen Metallen, sondern auch technisch besonders aufwändig gestaltet waren.[1] Ebenso wurden zu Beginn des 15. Jahrhunderts Metallschrauben in Europa gefertigt, die sich aber wegen ihres hohen Preises ebenfalls nicht allgemein durchsetzen konnten. Erst die Industrialisierung im 18. Jahrhundert ermöglichte die preiswerte und massenhafte Herstellung und weite Verbreitung von Schrauben. Nachfolgend eine Zeittafel der neuzeitlichen Errungenschaften:


Schrauben mit diversen Köpfen, von links nach rechts: Selbstschneidende Holzschraube mit Kreuzschlitz, Schlitz-Schraube mit metrischem Teil-Gewinde, Trockenbau-Schraube für Metall-Unterkonstruktionen mit Kreuzschlitz und Bohrspitze, zwei Schlitz-Schrauben mit metrischem Voll-Gewinde
Maschinenschrauben mit verschiedenen Köpfen: links: korrodierter Rundkopf mit Innensechskant, Mitte links: Sechskantkopf, rostfreier Stahl, rechts: eine golden eloxierte Aluminiumschraube und eine blaue Titanschraube, beide mit kegligem Kopf und Torx-Antrieb
Durch Stückverzinkung vor Korrosion geschützte Schrauben
Rostfreie Schraube an einem Pfosten im Außenbereich
durch Witterungseinfluss korrodierte Schraubverbindung an einer Straßenlampe
Links der Rohling einer Spanplattenschraube, der aufgrund eines Produktionsfehlers zwar chromatiert, aber zuvor nicht mit einem Gewinde versehen wurde.
Stiftschrauben am geöffneten Gehäuse einer Dampfturbine
Thumbscrews pc.jpg
Rändelschraube mit 6-32 UNC-Gewinde, z. B. für Computergehäuse
Thumbscrew M5x16.jpg
Flügelschraube, M5×16, aus zwei Teilen hergestellt


Angabe der Fes­tig­keits­klas­se auf einem Schraubenkopf
Schraubenverbindung zweier Platten
links: Durchsteckschraube
rechts: Einziehschraube (Innengewinde in unterer Platte)
Kraftverhältnisse am Schraubengang einer in Längsrichtung belasteten Schraube mit Flachgewinde
(bei 60°-Spitzgewinde wirkt L/cos30° anstatt L auf die Flanke)
Scheibenkopfschraube mit Unterkopfverzahnung als Bohrschraube
Wiener Vorreiber für Holz
Gängige Schrauben in Computergehäusen
Hammerkopfschraube
Flachrundschraube mit Vierkantansatz nach DIN 603, umgangssprachlich Schloss- oder Torbandschraube
Gewindestift mit Innensechskant