Bibel


Als Bibel (altgriechisch βιβλία biblia ‚Bücher‘) oder (Die) Heilige Schrift bezeichnet man die wichtigste religiöse Textsammlung im Judentum wie auch im Christentum. Sie gilt Gläubigen als göttlich inspiriert, mindestens aber als orientierender Maßstab und wird darum im religiösen wie im kulturellen Leben immer wieder angeeignet. Die jüdische und die christliche Bibel haben sich im Lauf ihrer Entwicklung gegenseitig beeinflusst; sie sind parallel zueinander, teilweise in Abgrenzung voneinander entstanden.[1]

Die Bibel des Judentums ist der dreiteilige Tanach, der aus der Tora (Weisung), den Nevi’im (Propheten) und Ketuvim (Schriften) besteht. Während die Tora nach ihrem Selbstzeugnis von Gott dem Mose am Sinai gegeben wurde und einige ihrer Texte von Mose auch selbst niedergeschrieben wurden, stellt sich das aus historischer Sicht anders dar. Denn erst seit dem 9. oder 8. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich in Israel eine Schriftkultur aus einer vorausgehenden Kultur der mündlichen Überlieferung, und erst in hellenistischer und römischer Zeit hatten größere Teile der Bevölkerung die Möglichkeit, biblische Texte auch privat zu lesen und sich dadurch anzueignen.[2] Ein Teil der frühjüdischen Literatur wurde in den jüdischen Bibelkanon aufgenommen, andere Schriften jedoch nicht.

Während dieser Prozess noch im Gange war, entstand das Christentum und bezog sich von Anfang an auf die heiligen Schriften Israels. Jesus von Nazaret deutete sein Wirken im Licht dieser Texte, und die erste christliche Gemeinde sah diese Schriften durch die Auferstehung Jesu Christi als erfüllt an. Das Christentum eignete sich so die heiligen Schriften Israels und weitere frühjüdische Literatur (als Altes Testament) an, schuf aber auch eigene Texte, von denen einige verbindliche Bedeutung erlangten und schließlich als Neues Testament dem Alten Testament angefügt wurden.[3]

Die christliche Bibel ist das am häufigsten gedruckte und publizierte und in die meisten Sprachen übersetzte schriftliche Werk der Welt.

Das Wort „Bibel“ (mittelhochdeutsch bibel, älter biblie) entstand aus kirchenlateinisch biblia,[4] einem Lehnwort aus dem Koine-Griechischen.

Das Neutrum βιβλίον biblíon „Buch“ ist eine Verkleinerungsform von βίβλος bíblos „Buch“, benannt nach der phönizischen Hafenstadt Byblos.[5] Diese Hafenstadt war in der Antike ein Hauptumschlagplatz für Bast, aus dem die Papyrusrollen hergestellt wurden. Der Plural von βιβλίον biblíon lautet βιβλία biblía „Schriftrollen, Bücher“. In der Septuaginta war βιβλία biblía vor allem eine ehrfürchtige Bezeichnung für die Tora; Johannes Chrysostomos bezeichnete als erster mit diesem Plural die Gesamtheit der christlichen heiligen Schriften (Altes und Neues Testament).[6]


Esra vor einem Schrank mit biblischen Büchern (Codex Amiatinus)
Große Jesajarolle, eine der ältesten und besterhaltenen Bibelhandschriften, ca. 180 v. Chr.
Codex von Aleppo, Tora (Deuteronomium)
Torarolle, ehemalige Synagoge Glockengasse in Köln
Esther-Rolle, Fès, Marokko, 13./14. Jh. n. Chr..
Mose empfängt von Gott die Tora, eine Schriftrolle (Mosaik, San Vitale in Ravenna, 6. Jahrhundert)
Abraham, Moses und Jesus im Gebet, geleitet von Mohammed (mittelalterliches persisches Manuskript)
Frühe Bibelkritik: Histoire critique du vieux testament von Richard Simon, Neuauflage 1685