Bilanzkontinuität


Bilanzkontinuität ist im Rechnungswesen ein auf den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung beruhender Bilanzierungsgrundsatz, wonach mehrere zeitlich aufeinander folgende Jahresabschlüsse eines Unternehmens sowohl die gleichen Gliederungen aufweisen müssen (formelle Bilanzkontinuität) als auch möglichst gleichen Bewertungsprinzipien zu folgen haben (materielle Bilanzkontinuität).

Aus Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens zu verschiedenen Zeitpunkten lässt sich nur dann die Entwicklung des Unternehmens erkennen, wenn diese Informationen vergleichbar sind und sämtliche die Vergleichbarkeit beeinträchtigenden Faktoren ausgeblendet wurden. Aktionären, Gläubigern, Wettbewerbern, Kreditinstituten und dem Finanzamt soll der Einblick in die ohnehin schwierige Materie nicht noch durch mangelnde Vergleichbarkeit zusätzlich erschwert werden. Jahresabschlüsse müssen miteinander vergleichbar sein, um eingetretene wirtschaftliche Veränderungen eindeutig erkennen und beurteilen zu können. Beruhen hingegen Veränderungen auf unterschiedlichen materiellen und/oder formellen Bilanzierungsgrundlagen, so ist ein Vergleich nicht möglich und der Jahresabschluss für Zwecke der Finanzanalyse unbrauchbar.

Rechtsgrundlagen sind in Deutschland § 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB, in Österreich § 201 Abs. 2 Ziffer 1 UGB. Mit einem Wechsel der Ausweis- und Bewertungsmethoden kann eine willkürliche Beeinflussung des Bilanz- und Gewinn- und Verlustrechnungs-Bildes erreicht werden, wodurch eingetretene wirtschaftliche Veränderungen verschleiert oder gar erst suggeriert werden könnten. Dem wollen die gesetzlichen Bestimmungen möglichst vorbeugen. Bei der Bilanzkontinuität wird unterschieden zwischen formeller und materieller Kontinuität.[1]

Die formelle Kontinuität schreibt vor, dass stets dieselben Gliederungsbegriffe und -schemata zu verwenden sind. Bei der Bilanzidentität (Bilanzenzusammenhang) wird gefordert, dass die Eröffnungsbilanz der Rechnungsperiode mit der Schlussbilanz der vorangegangenen Rechnungsperiode übereinstimmt (§ 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB). Der Anfangsbestand einer Rechnungsperiode muss danach mit dem Endbestand der vorherigen Rechnungsperiode übereinstimmen. In der Eröffnungsbilanz müssen die Wertansätze eines Geschäftsjahres mit den angesetzten Werten der Schlussbilanz des vorhergehenden Jahres identisch sein. Damit wird die Grundvoraussetzung der Vergleichbarkeit, sowohl im Zeitablauf als auch bei verschiedenen Unternehmen, zum gleichen Zeitpunkt geschaffen.

Der Grundsatz der formellen Bilanzkontinuität wird nach einer steuerlichen Außenprüfung allerdings durchbrochen. Führt diese Außenprüfung zu Änderungen, so muss die letzte noch änderbare Bilanz angepasst werden, während die Vorjahresbilanz nicht mehr verändert wird. Dadurch stimmt der Anfangsbestand mit dem Endbestand der Vorperiode ausnahmsweise nicht überein.