Bilanzpolitik


Unter Bilanzpolitik versteht man alle Maßnahmen bei der Bilanzierung, die während des Geschäftsjahres und bei der Aufstellung des Jahresabschlusses im Rahmen des Bilanzrechts zur bewussten Gestaltung des Jahresabschlusses getroffen werden, um die Bilanzadressaten im Sinne des bilanzierenden Unternehmens zu beeinflussen.

Adressaten eines veröffentlichten Jahresabschlusses sind insbesondere Gläubiger (Kreditinstitute, Lieferanten), Eigenkapitalgeber (Gesellschafter, Aktionäre, erfolgsbeteiligte Manager), Kreditversicherungen, Ratingagenturen, Auskunfteien, Unternehmensführung (Geschäftsführung, Vorstand), Mitarbeiter, Kunden, Finanzamt, Öffentlichkeit (Gemeinde- oder Stadtrat, Presse, Bevölkerung) und Konkurrenten. Auch wenn diese Interessengruppen sehr unterschiedliche Beurteilungsmaßstäbe anlegen, so ist die Bilanzpolitik darauf ausgerichtet, möglichst allen Interessengruppen gerecht zu werden, denn es wird ein einheitlicher Jahresabschluss für alle Adressaten veröffentlicht. Einzige Ausnahme bildet die Steuerbilanz, die – im Falle der Abweichung zur Handelsbilanz – eine adressatengerechte Bilanzierung für das Finanzamt darstellt.

Bilanzpolitik ist in Deutschland und international nur möglich, weil das Bilanzrecht bewusst Gestaltungsspielräume schafft und dem bilanzierenden Unternehmen im Rahmen der vernünftigen kaufmännischen Beurteilung Wahlrechte einräumt. Allgemein wird zwischen formeller und materieller Bilanzpolitik unterschieden. Während die Nutzung von Ausweis-, Gliederungs- und Erläuterungswahlrechten zur formellen Bilanzpolitik gehört, ist die Nutzung von Bewertungswahlrechten, Ermessensspielräumen und Sachverhaltsgestaltungen ein Teil der materiellen Bilanzpolitik.[1]

Als konservativ wird eine Bilanzpolitik bezeichnet, welche die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage des Unternehmens tendenziell zu schlecht – im Vergleich zu den tatsächlichen Verhältnissen – darstellt. Bei einer progressiven Bilanzpolitik hingegen wird die Lage tendenziell zu gut dargestellt.