Burgkapelle


Eine Burgkapelle ist ein Sakralbau, der auf einer Burg liegt oder zu ihr gehört. Das Gleiche gilt analog für Schlosskapelle und Schloss.

Die Prägung der mittelalterlichen Gesellschaft durch das Christentum erforderte auch für Burgbewohner den gewöhnlich täglichen, mindestens aber sonn- und feiertäglichen Besuch der Heiligen Messe. Anders als es das Klischee will, verfügte aber keineswegs jede Burg über eine eigene Kapelle. Die typischen Ministerialenburgen etwa, Turmhügelburg und Wohnturm, hatten oft keinen eigenen Sakralraum, da sie meist in oder neben einem Dorf und damit nahe der örtlichen Pfarrkirche gelegen waren. Auch verfügten sie über wenig Platz. Größere Burganlagen wie die Königspfalzen oder Bischofspfalzen hatten in der Regel eigene Kirchen oder Kapellen, um dem durchreisenden Herrn und seinem Hofstaat den Messbesuch zu ermöglichen. Auch die abgelegenen Höhenburgen des Hoch- und Spätmittelalters verfügten meist über eine Burgkapelle.

Die Grablegen des höheren Adels befanden sich allerdings meist in den von ihm gestifteten Eigenkirchen bzw. Eigenklöstern, und nur selten in den engen Burgkapellen. Dort konnten allerdings Gedenkmessen gelesen werden.[1] Manche beherbergten sogar Reliquien[2], aufwändig gestaltete erfüllten darüber hinaus repräsentative Zwecke und dienten etwa für Hochzeiten.[1]

Die religiöse Betreuung übernahm entweder ein eigens angestellter Diakon oder Priester, anderenfalls kam der Ortspfarrer bzw. ein Pater aus einem Kloster zur Messe auf die Burg.[1] Da im Mittelalter meist nur die Geistlichen lesen und schreiben konnten, verwendeten die Burgherren sie zugleich als Schreiber. Sofern sie auf der Burg lebten, verfügten sie oft über einen eigenen, beheizbaren Raum.[3] Da die Ordensritter neben der Messe auch Stundengebete abhielten, hatten Ordensburgen immer eigene Kirchen.[1]

Burgkapellen trugen meist das Patrozinium eines Heiligen mit besonderer Verbindung zum Ritterstand, z. B. Sankt Georg und Gereon. Die Sankt-Markus-Burgkapelle zu Braubach gab der Burg ihren heutigen Namen – Marksburg. In Italien ist die Benennung der Burgen nach ihrem Patrozinium sehr verbreitet.

Für die Kapellen kamen mehrere Standorte und bauliche Varianten in Frage. Viele Burgen begnügten sich vermutlich mit einem in einen anderen Raum eingebundenen Bereich. Gegebenenfalls schmückte ihn ein Heiligenbild oder -figur.[1] In den Kleinsten reichte der Platz gerade für die Burgherrschaften.[2] Etwas ausgefeilter fiel der Kapellenerker aus. War er an den Palassaal angebaut, konnte jener wie ein Kirchenschiff genutzt werden. Neben baulichen Zeugnissen (z. B. Burg Landsberg im Elsass) belegten Haushaltsinventare solche Mehrfachnutzungen. So berichtete ein Dokument von 1463, dass im Saal der Tomburg eine Truhe mit Haushaltstextilien und liturgischen Geräten stand.[1]