Corpshund


Als Corpshunde oder Couleurhunde werden Haus- und Jagdhunde bezeichnet, die sich studentische Corps besonders im wilhelminischen Kaiserreich als Haustiere hielten.

Hunde waren aus dem Landleben von jeher nicht wegzudenken. Für die vielen Corpsstudenten von den Rittergütern war es selbstverständlich, ihren Hund ins Studium mitzunehmen. Wie die meisten Stiche und Zeichnungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert zeigen, waren Hunde regelmäßige „Gäste“ von Hospizen und Kneipen. Dabei bezeichnet der Begriff Corpshund sowohl die Hunde, die einem Corps insgesamt gehörten wie auch die Hunde, die einzelnen Corpsmitgliedern gehörten. Bereits im 18. Jahrhundert gab es in Göttingen bei 8000 Einwohnern etwa 3000 Hunde, nicht zuletzt wegen der Jagd durch die Studentenschaft im Umland. In den Kollegs und Vorlesungen – oft in den Wohnungen der Professoren – zur Plage geworden, wurden sie von den Universitäten verboten, so 1796 in Ingolstadt und im Wintersemester 1822/23 in Bonn. Daraufhin vom Senioren-Convent „in Verschiß gesteckt“ (vulgo bestreikt), gab die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität nach einem Jahr nach und hob das Verbot auf.[1] 1878 bat der Oberamtmann den Rektor der Universität, das in Vergessenheit geratene Hundeverbot zu erneuern:

„Es ist seit Jahren eine unter den Studierenden eingerissene Unsitte, Hunde von außerordentlicher Größe und Stärke zu halten. Vor allem die Studentengesellschaften versuchen sich darin zu überbieten, die größten Tiere zu besitzen. Einen Sport besonderer Art bilden die Hundekämpfe, die oft in rücksichtsloser Weise mitten unter dem verkehrenden Publikum aufgeführt werden. Die Hunde der verschiedenen Verbindungen werden aufeinander gehetzt, und einen besonders wilden Charakter gewinnt die Hundehetze, wenn die Herren Studierenden sich selbst anfeinden.“

Hunde wurden aber nicht nur für die Jagd und zum Schutz von Haus und Hof gehalten, sondern dienten auch zur Darstellung des Sozialstatus. Bekannt sind die Hunde von Friedrich dem Großen, die „gesiezt“ werden mussten. Otto von Bismarck hielt sich schon als Student Deutsche Doggen, die nach der Deutschen Reichsgründung als Reichshunde berühmt wurden. Im Sozialgefüge des prosperierenden Deutschen Kaiserreichs wurden Corpshunde mit dem Couleur am Halsband nicht zuletzt zur „Renomisterey“ gebraucht.[2]

„Vor der Folie des Kaiserreichs mit seiner Huldigung aristokratisch-militärischer Männlichkeitsideale waren die neuen, seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gezüchteten Hunderassen - die Doggen, Neufundländer, Schäferhunde, Bernhardiner und Leonberger - geradezu ideale Begleiter einer Studentenschaft, die Schneid und Kampfesmut, daneben lebenslange Freundschaft und Treue zu studentisch-männlichen Leittugenden erhoben hatte. Insofern war die Vorliebe der korporativ organisierten Studenten wohl doch auch darin begründet, daß die Tiere symbolisch für corpsstudentische Kerntugenden standen.“


Die letzten Königsberger Balten mit „Firks“ (30. Januar 1934)