Debitor


Debitor (lateinisch debere ‚schulden‘) ist im deutschen Rechnungswesen der Begriff für den Schuldner aus Lieferungen und Leistungen. Komplementärbegriff ist der Kreditor.

Ansprüche gegen Debitoren sind demnach Forderungen des Lieferanten. Als Debitoren kommen natürliche Personen, Unternehmen oder juristische Personen des öffentlichen Rechts in Frage.

In der Regel resultieren diese Forderungen aus Warenlieferungen oder Dienstleistungen. Um diese Forderungen gegen andere Forderungen abzugrenzen, hat der Gesetzgeber für sie in § 266 Abs. Abs. 2 B II Nr. 1 HGB („Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“) eine eigene Bilanzposition geschaffen. Damit soll im Rahmen der Bilanzklarheit erreicht werden, dass ein sachkundiger Dritter sich ein Bild von deren Anteil an den gesamten Forderungen verschaffen kann.

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen dürfen erst dann vom Lieferanten bilanzwirksam aktiviert werden, wenn die Preisgefahr auf den Käufer übergegangen ist.[1] Der Gewinn ist mit der Lieferung oder Leistung meist nicht bereits bei Vertragsabschluss realisiert, weil allgemein die Risiken noch nicht soweit abgebaut sind, dass der Gewinn als sicher qualifiziert werden könnte.[2] Bei der Lieferung kommt es nicht bloß auf die Bewirkung der geschuldeten Leistung nach § 362 Abs. 1 BGB an; vielmehr sind noch Übergabe und Eigentumsverschaffung erforderlich (§ 433 Abs. 1 Satz 1 BGB). Dem BFH genügt steuerrechtlich indes die Preisgefahr, also der Übergang des Risikos des zufälligen Untergangs oder der zufälligen Verschlechterung der Sache auf den Käufer.[3] Die Preisgefahr beginnt zeitlich allgemein mit der Übergabe, also mit Besitzverschaffung und Übergang von Nutzen und Lasten auf den Abnehmer (§ 446 BGB). Speziell beim Versendungskauf geht die Preisgefahr jedoch bereits mit Aushändigung der Sache an einen Transportunternehmer auf den Käufer über (§ 447 Abs. 1 BGB). Forderungen aus (Dienst-)Leistungen sind einzubuchen, wenn die vertraglich geschuldete Leistung erbracht worden ist und die Möglichkeit besteht, eine Abrechnung zu erstellen.[4]

Die Forderung wird sowohl auf dem Nebenbuchkonto zum Debitoren als auch auf dem Hauptbuchkonto, welches ein Konto aus der Gruppe Lieferungen und Leistungen ist, gebucht. Das Hauptbuchkonto wird bisweilen (z. B. im SAP-System) als Abstimmkonto bezeichnet.

Beim Barverkauf muss die Bezahlung der Lieferungen und Leistungen Zug um Zug mit Übergabe der Ware erfolgen. Wird nicht sofort bezahlt, entsteht bei Übergabe/Versendung ein Debitorenrisiko, das durch Aktivierung einer Forderung bilanziell umzusetzen ist. Mit einem Versendungskauf ist in der Regel stets die Aktivierung einer Forderung verbunden, es sei denn, es besteht eine Vorkasse. In beiden Fällen findet die Gewinnrealisierung statt.