Dragoner


Als Dragoner bezeichnete man ursprünglich berittene Infanterie, die ihre Pferde primär zum Transport, nicht aber für den Kampf verwendete. Im Laufe der Zeit entwickelten sie sich fast überall zur Schlachtenkavallerie. In einigen Streitkräften führen manche Regimenter den Namen aus Traditionsgründen noch heute im Verbandsnamen.

Die Bezeichnung kam zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Frankreich auf und leitet sich wahrscheinlich von einer als dragon bezeichneten Handfeuerwaffe ab,[1] die auch carabine genannt wurde (siehe Karabiner). Daher wurde und wird in einigen europäischen Staaten berittene, heute auch motorisierte oder mechanisierte Infanterie wie im belgischen Heer auch als Karabiniers bezeichnet.

Ein anderer Erklärungsansatz besagt, dass jene Reiter, die bei den Prozessionen des Papstes auf ihrer Lanze einen Drachenschild als Sinnbild des Teufels trugen, draconarii („Drachensoldaten“) genannt worden seien. Davon soll sich das Wort Dragoner ableiten.

Die Truppengattung der Dragoner wurde möglicherweise 1543 von Graf Piero Strozzi oder 1550 von Marschall Charles de Cossé-Brissac erfunden. Bereits in den französischen Hugenottenkriegen des späten 16. Jahrhunderts kamen Dragoner in großer Zahl zum Einsatz. In der älteren deutschsprachigen Literatur findet sich die Behauptung, dass Graf Ernst von Mansfeld (1580–1626), einer der bekanntesten Söldnerführer und Kriegsunternehmer des Dreißigjährigen Krieges, der „Erfinder“ der Dragoner gewesen sei, was jedoch nicht stimmt, weil Dragoner bereits ab 1602 in der kaiserlich-habsburgischen Armee nachgewiesen sind. Wahr ist allerdings, dass Mansfeld gelegentlich große Teile seines Fußvolkes mit Tross- oder Beutepferden beritten machte, um Mobilität zu gewinnen; schon zu seiner Zeit nannte man dies eine armée volante. Die französische Armee bildete 1635 aus bereits bestehenden Dragonereinheiten sechs Regimenter. 1638 wurde Dragoner zur offiziellen Bezeichnung der französischen Fußsoldaten zu Pferd. Sowohl im Dreißigjährigen Krieg als auch im Englischen Bürgerkrieg kamen Dragoner zum Einsatz.


Soldat vom 4. Regiment der französischen Linien-Dragoner mit erbeuteter preußischer Infanteriefahne in der Schlacht bei Jena am 14. Oktober 1806 (Gemälde „Le Trophee“ von Edouard Detaille aus dem Jahr 1898)
Uniformentwicklung beim Dragoner-Regiment „Königin Olga“ (1. Württembergisches) Nr. 25 vom Westenrock der Napoleonischen Kriege zur feldgrauen Uniform am Vorabend des Ersten Weltkrieges
Englischer leichter Dragoner vom 16. Regiment, Mitte 18. Jahrhundert
Schweizer Kavallerie-Schwadron 1972
Offizier des Regimiento de Caballería Mariscal Domingo Nieto (peruanische Präsidentengarde), 2012
Mexikanischer Lederdragoner, 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts