Eiserner Vorhang


Als Eiserner Vorhang wird in Politik und Zeitgeschichte nach dem Namensgeber aus dem Theaterbau sowohl der ideologische Konflikt als auch die physisch abgeriegelte Grenze bezeichnet, durch die Europa in der Zeit des Kalten Krieges geteilt war. Er bildete nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu den Revolutionen im Jahr 1989 die Trennlinie zwischen den marktwirtschaftlich orientierten demokratischen Staaten im Westen und den planwirtschaftlich geleiteten, realsozialistischen Diktaturen im Osten. Nach der Abwendung Jugoslawiens von der Sowjetunion im Jahr 1948 schotteten sich Ungarn, Rumänien und Bulgarien von Jugoslawien an ihren Grenzen auf ähnliche Weise ab wie von den „kapitalistischen“ Staaten.

Die innerdeutsche Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR und die Berliner Mauer waren Teil des Eisernen Vorhangs.

Der Ursprung des Begriffes „Eiserner Vorhang“ liegt im 20. Jahrhundert und wurde seitdem oft verwendet.[1] Während des Ersten Weltkriegs wurde der Begriff erstmals aus dem Theaterbereich in politisch-militärische Kontexte entliehen; die Urheberschaft ist unklar. Der britische Historiker Patrick Wright schreibt die erste Verwendung Violet Paget zu, die den Begriff Anfang 1915 unter dem Pseudonym Vernon Lee über Bachs Weihnachtsmusik in England und Deutschland und den „monströsen eisernen Vorhang“ verwendete, der die beiden Länder jetzt trenne.[2] Die aus Deutschland stammende belgische Königin Elisabeth äußerte 1915 gegenüber Pierre Loti über die Entfremdung gegenüber ihrer deutschen Verwandtschaft: „Ein eiserner Vorhang ist gefallen zwischen meiner Familie und mir“.[3] Am 29. Februar 1916 verwendete der deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg den Begriff in seiner bedeutsamen „U-Boot-Denkschrift“ – er bezeichnete den damals häufig erwogenen Plan als nicht durchführbar, England durch einen U-Boot-Krieg von der Außenwelt abzutrennen „wie durch einen eisernen Vorhang“.[4]

1924 äußerte der britische Botschafter in Berlin, Edgar Vincent, das demilitarisierte Rheinland (damals von alliierten Truppen besetzt) solle ein ‘iron curtain’ sein, um Frankreich vor zukünftigen Angriffen deutscher Truppen zu bewahren.[5]

In den 1920er Jahren wurde die Wendung vom Eisernen Vorhang gelegentlich in Schriften über den Ersten Weltkrieg gebraucht. So sprach der Nachrichtendienstler Herbert von Bose 1930 in einem Aufsatz von „dem eisernen Vorhang der feindlichen Fronten“, der Europa während des Krieges durchzogen habe.[6]

Der Lissabon-Korrespondent Max Walter Clauss (1901–1988) verwendete die Bezeichnung am 18. Februar 1945 in einem Beitrag auf der Titelseite der nationalsozialistischen Wochenzeitung Das Reich.[7]


Europa nach der Gründung des Warschauer Paktes (1955):
  • Warschauer-Vertrags-Staaten
  • NATO-Staaten
  • militärisch neutrale Staaten
  • Die SFR Jugoslawien war seit 1948 ein blockfreier realsozialistischer Staat und nicht mehr Teil des Einflussbereichs der Sowjetunion.
    Albanien (rote Streifen) war seit 1960 kein Mitgliedsstaat des Warschauer Pakts mehr.
  • Hinter Russlands eisernem Vorhang: schwedisches Buch von 1923
    Der Eiserne Vorhang gemäß Churchills Rede 1946
    Militärische Verträge im Kalten Krieg
    DDR-Passierschein für den Aufenthalt in Orten im Grenzgebiet
    Der erhaltene Wachturm bei Čížov, das letzte erhalten Stück vom Eisernen Vorhang in Tschechien
    Symbol des Eisernen Vorhangs:
    die Berliner Mauer
    Gedenkveranstaltung 30 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs mit Alexander Schallenberg, Péter Szijjártó und Hans Peter Doskozil am 27. Juni 2019
    Gedenkveranstaltung 30 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs am 27. Juni 2019
    Sogenanntes "Ungarnvisum", mit dem im Sommer 1989 viele DDR-Bürger nach Ungarn reisten, um später über Österreich in die Bundesrepublik Deutschland auszureisen
    Tor zur Freiheit in Mikulov, Tschechien (2016)