Elisabeth von Thüringen


Elisabeth von Thüringen (* 1207[1] in Pressburg[2] oder in Sárospatak (Ungarn)[3] auf Burg Rákóczi; † 17. November 1231 in Marburg an der Lahn[2]) war eine ungarische Prinzessin und deutsche Landgräfin.[4] Sie wird auch Elisabeth von Ungarn genannt (ungarisch Árpád-házi Szent Erzsébet). Sie ist eine Heilige der katholischen Kirche und galt in Deutschland zeitweise auch als „Nationalheilige“. Der Namenstag der Landespatronin von Thüringen und Hessen fällt auf den 19. November, den Tag ihrer Beisetzung. Als Sinnbild tätiger Nächstenliebe wird sie auch im Protestantismus verehrt.

Die frühesten schriftlichen Zeugnisse, die das Leben der Elisabeth von Thüringen detailliert beschreiben, entstanden überwiegend nach ihrem Tod. Aber auch schon die zu ihren Lebzeiten entstandene Vita Ludovici, die der Hofkaplan der Wartburg nach dem Tod Ludwigs von Thüringen verfasste, und die um das Jahr 1228 zu datieren ist, geht ausführlich auf sie ein. Der Text ist als Bestandteil der Chronica pontificum et archiepiscoporum Magdeburgensium überliefert und enthält eine Reihe späterer Zufügungen. Das erste Zeugnis, das allein ihr Leben in den Mittelpunkt stellt, ist die Summa vitae aus dem Jahr 1232. Sie wurde von Konrad von Marburg geschrieben, der auch das Heiligsprechungsverfahren für Elisabeth beim Papst beantragt hatte. Die Summa vitae beschränkt sich auf eine Beschreibung ihrer letzten fünf Lebensjahre.[5] Diese Quelle wird ergänzt durch Protokolle über die Wunder, die sich in den Jahren 1232 und 1233 sowie im Jahr 1235 am Grab Elisabeths ereignet haben sollen.

Neben diesen Quellen gibt es eine Niederschrift der Zeugenaussagen von vier Dienerinnen, die in Marburg im Rahmen des Heiligsprechungsverfahrens gehört wurden: Guda lebte seit ihrem fünften Lebensjahr mit der ein Jahr jüngeren Elisabeth zusammen und wurde später eine ihrer Hofdamen. Isentrud von Hörselgau war eine der weiteren Hofdamen in ihrem Gefolge und hat weit anschaulicher als Konrad von Marburg Elisabeths Fürsorge für die Armen und Bedürftigen geschildert. Die weiteren zwei Zeuginnen Irmgard und Elisabeth arbeiteten gemeinsam mit ihr im Marburger Hospital.

Auf dem Libellus de dictis quatuor ancillarum sanctae Elisabeth confectus (Büchlein der Aussagen der vier Dienerinnen, im weiteren als Libellus bezeichnet) aus dem Jahr 1235 basieren die drei ältesten vollständigen Lebensbeschreibungen Elisabeths, die alle in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden. 1237 verfasste Cäsarius von Heisterbach eine Vita der heiligen Elisabeth; zwei weitere, deren Verfasser namentlich nicht bekannt sind, entstanden vor 1240 im Umfeld Friedrichs II. und der päpstlichen Kurie.[6][7]


Elisabeth von Thüringen am Elisabethschrein, 1235–1249 in der Elisabethkirche in Marburg
"Elisabeth pflegt Kranke" im Elisabethfenster (vor 1250) in der Elisabethkirche in Marburg
Typische Darstellung Elisabeths bei der Versorgung von Bedürftigen; Gemälde von Hans Holbein, d. Ä., ca. 1516
Andreas II. von Ungarn und seine Ehefrau Gertrud von Andechs, Darstellung im Landgrafenpsalter, heute in Stuttgart
Am als kultiviert geltenden Thüringer Hof verkehrte unter anderem Minnesänger Heinrich von Veldeke, hier dargestellt im Codex Manesse, um 1300
Die Legende vom Rosenwunder ist ein häufiges Motiv in der bildenden Kunst. Sie erfasst jedoch nicht, wie sehr Elisabeth von Thüringen durch ihren Mann unterstützt wurde. Tafelbild eines Altars, Steiermark, um 1525
Briefmarke der Deutschen Post zum 800. Geburtstag (2007)
Konrad von Marburg: Detail eines Glasfensters in der Marburger Elisabethkirche
Die Wartburg bei Eisenach
Die Elisabethkemenate, Wartburg
Friedrich II. mit seinem Falken. Aus seinem Buch De arte venandi cum avibus („Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“), Süditalien zwischen 1258 und 1266. Città del Vaticano, Vatikanische Apostolische Bibliothek (Cod. Pal. Lat. 1071, fol. 1v)
Zeitgenössisches Bild des Franz von Assisi – Wandgemälde in Sacro Speco in Subiaco
Darstellung Gregors IX. in einem Manuskript aus der Zeit um 1270 – er stellte Elisabeth von Thüringen erst unter seinen apostolischen Schutz und sprach sie später heilig
Elisabethkirche in Marburg
St.-Elisabeth-Dom in Košice
Armreliquiar in der Schlosskapelle von Sayn
Elisabeth-Statue (um 1235) im Naumburger Dom
"Elisabeth verteilt ihr Witwengut" im Elisabethfenster (vor 1250) in der Elisabethkirche in Marburg
"Elisabeth tränkt Durstige und wäscht ihnen die Füße" und "Elisabeth speist Hungrige" am Elisabethschrein, 1235–1249 in der Elisabethkirche
Elisabethfigur (1470–1500) in der Marburger Elisabethkirche
Detail der Wandmalerei in der Liboriuskapelle
Elisabeth-Glasfenster in der Klausenburger Minoritenkirche (Jugendstil)
Kolossales Mosaikbildnis der Elisabeth von Thüringen in der Mexikokirche (Elisabethkapelle) in Wien
alternative Beschreibung
Kruzifix-Wunder in einem Ausschnitt des linken Flügels des Elisabethaltars in der Elisabethkirche Marburg (Johann von der Leyten, vermutl. vor 1493); links Ludwig und seine Mutter, rechts Elisabeth mit Krone und Nimbus