Erzstift Magdeburg


Das Erzstift Magdeburg war der weltliche Besitz des Erzbischofs von Magdeburg, in welchem dieser als Fürsterzbischof herrschte. Der als Geistliches Territorium bezeichnete landesherrliche Besitz des Magdeburger Erzbischofs befand sich auf dem Gebiet der heutigen Bundesländer Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Als Folge des Westfälischen Friedens ging das Territorium 1680 in den Besitz des Kurfürstentums Brandenburg über und wurde unter der Bezeichnung Herzogtum Magdeburg säkularisiert.

Im Rahmen der deutschen Ostsiedlung gründete 968 Kaiser Otto I. mit Zustimmung von Papst Johannes XIII. das Erzbistum Magdeburg zur Missionierung der Slawen in den ostelbischen Gebieten. Die bereits 20 Jahre zuvor gegründeten Bistümer Brandenburg und Havelberg sowie die neuen Diözesen Merseburg, Zeitz, Meißen und Posen wurden dem Erzbistum Magdeburg unterstellt.[1]Otto stattete das Erzbistum großzügig mit Landzuweisungen, königlichen Einkünften und nutzbaren Rechten aus. Der Slawenaufstand von 983 störte jedoch die weitere Entwicklung des Erzbistums nachhaltig und beschränkte seinen Wirkungsbereich im Wesentlichen auf linkselbisches Gebiet.[2] Unter den Saliern verlor Magdeburg seine herausragende Stellung im Reich und sogar in Sachsen. Vereinzelte Versuche, auf den Osten auszugreifen, blieben ohne den gewünschten Erfolg (z. B. 1109–1123 vorübergehender Erwerb von Lebus).[3]

Erzbischof Wichmann von Seeburg (1152/54–1192) begründete die Landesherrschaft der Magdeburger Erzbischöfe und unterstützte den Ausbau der östlich der Elbe gelegenen Besitztümer des Erzbistums durch Ansetzung deutscher Siedler, die neben die ansässige slawische Bevölkerung traten. Das von Wichmann neu privilegierte Magdeburger Recht wurde Vorbild für das Recht vieler Städte in Mittel- und Osteuropa.[1] Im staufisch-welfischen Thronstreit standen die Erzbischöfe zunächst auf Seiten der Staufer, Bischof Albrecht I. (1205–1232) schwenkte jedoch zu Otto IV. über.[3]

Während und nach dem Interregnum entwickelte sich die Verbindung Magdeburgs zum Königtum nur gering. Sie wurde erst unter Kaiser Karl IV. wieder stärker. Im 14. Jahrhundert waren die Erzbischöfe in heftige Auseinandersetzungen mit den askanischen Markgrafen von Brandenburg sowie mit den Städten Magdeburg und Halle verstrickt.[3] Ab 1476 geriet das Erzbistum zunehmend unter den Einfluss von Sachsen und Brandenburg. Im Jahre 1478 unterwarf Erzbischof Ernst von Sachsen die Stadt Halle; als bevorzugte Residenz für die Magdeburger Erzbischöfe ließ er hier ab 1484 die Moritzburg erbauen, die im Mai 1503 bezogen wurde. Von 1479 bis 1566 wurde das westlich benachbarte Hochstift Halberstadt in Personalunion durch die Erzbischöfe von Magdeburg verwaltet.

Ab 1500 gehörte das Erzstift zum Niedersächsischen Reichskreis. Seit Albrecht von Brandenburg (1513–1545) wurde es von Erzbischöfen bzw. Administratoren aus dem Haus Hohenzollern (Kurbrandenburg) beherrscht.


Magdeburger Dom St. Mauritius und Katharina, erbaut um 1209 bis 1363
Herzogtum Magdeburg im 19. Jahrhundert (hellblau), um Magdeburg und Halle (dunkelblau)
Erzbischöfliches Palais Magdeburg, heute Ministerium für Justiz
Westseite der Neuen Residenz, 1735
Wappen des Erzbistums Magdeburg nach Siebmachers Wappenbuch von 1605