Finanzwirtschaft


Die Finanzwirtschaft (oder Finanzsektor; englisch financial sector) ist in der Volkswirtschaftslehre ein Wirtschaftszweig, der alle Unternehmen umfasst, bei denen Finanzen oder Finanzierung das Kerngeschäft darstellen. Das volkswirtschaftliche Pendant ist die Realwirtschaft.

Wichtigster Teilsektor der Finanzwirtschaft ist das Finanzwesen. Zum Finanzwesen gehören die Finanzmärkte und deren Marktteilnehmer, nämlich Finanzdienstleistungsinstitute, Kreditinstitute und Wertpapierdienstleistungsunternehmen (Bankwesen), Versicherungen (Versicherungswesen), Investmentfonds, Pensionsfonds und andere institutionelle Anleger. Die Finanzmärkte setzen sich zusammen aus Börsen, Geld-, Devisen-, Interbanken-, Kredit- und Kapitalmarkt. Nicht zum Finanzwesen, aber zur Finanzwirtschaft gehören die Finanzkonglomerate.

Während der Gütermarkt zur Realwirtschaft zählt, sind die Finanzmärkte Teil der Finanzwirtschaft. Auch deren Handelsobjekte unterscheiden sich voneinander: Güter können nur auf dem Gütermarkt, Finanzprodukte/Finanzinstrumente/Finanzierungsinstrumente nur auf den Finanzmärkten gehandelt werden.[1]

Die Verwendung des Begriffs Finanzwirtschaft ist in der Fachliteratur nicht einheitlich. Zuweilen wird er in der Betriebswirtschaftslehre auch für die betriebliche Funktion der Finanzierung verwendet.[2] Dabei erfasst der Begriff Finanzwirtschaft Investition, Finanzierung und Liquidität,[3] also alle monetär-realen Vorgänge wie Zahlungen.[4] Um sie von der volkswirtschaftlichen Finanzwirtschaft unterscheiden zu können, wird von „betrieblicher Finanzwirtschaft“ gesprochen.[5]

Die volkswirtschaftliche Finanzwirtschaft besteht aus den Wirtschaftssubjekten Unternehmen, Privathaushalte und Staat mit seinen Untergliederungen (öffentliche Finanzwirtschaft). Im Wirtschaftskreislauf gehören die Geld- und Zahlungsströme zur Finanzwirtschaft und die Güterströme zur Realwirtschaft; beide Ströme werden als Wirtschaftsobjekte zusammengefasst. Kauft beispielsweise ein Privathaushalt ein Automobil, so ist die Kaufpreiszahlung ein Zahlungsvorgang in der Finanzwirtschaft, während die Lieferung des Fahrzeugs durch ein Autohaus zur Realwirtschaft gehört. Deshalb sind Finanz- und Realwirtschaft miteinander verzahnt.[6]

Die öffentliche Finanzwirtschaft umfasst sämtliche finanzwirksamen Aktivitäten des öffentlichen Sektors, welche die Staatseinnahmen und Staatsausgaben betreffen. Beschaffung, Verwaltung und Verwendung der zur Erfüllung der öffentlichen Aufgaben erforderlichen Finanzmittel sind Regelungsgegenstand der öffentlichen Finanzwirtschaft. Die finanzwirtschaftliche Seite der staatlichen Aufgabenerfüllung ist eine umfassende Querschnittsaufgabe, weil jegliche staatliche Maßnahme zwangsläufig finanzielle Auswirkungen mit sich bringt.[7] Die Bedeutung der öffentlichen Finanzwirtschaft für die Gesamtwirtschaft kann an der Staatsquote abgelesen werden.