Geograph


Als Geograph bzw. Geograf (abgeleitet von altgriechisch γεω (geō), deutsch ‚Erde‘ und γράφειν (gráphein), deutsch ‚(auf-)schreiben, zeichnen‘) wird ein Wissenschaftler oder Forscher auf dem Gebiet der Geographie („Erdkunde“) bezeichnet und insbesondere eine Person, die ein universitäres Studium der Geographie erfolgreich und beurkundet abgeschlossen hat.[1]

Durch die stark interdisziplinär geprägte Ausrichtung und fachliche Breite der modernen Geographie sind Geographen an der Schnittstelle zwischen Natur-, Ingenieur-, Sozial- und Geisteswissenschaften tätig und führen (häufig in interdisziplinären Teams eingesetzt) die fachlichen Fäden der jeweiligen Wissenschaften bzw. ihrer Unterfachbereiche interdisziplinär zusammen. Durch ihre Brückenkopffunktion sind Geographen recht vielseitig einsetzbar und heutzutage in zahlreichen Branchen vertreten, das genaue Berufsbild kann aber folglich nicht klar abgegrenzt werden.[2]

Historisch gesehen ist der Beruf des Geographen schon recht alt, das Aufgabenfeld von Geographen hat sich aber im Laufe der Jahrhunderte stetig gewandelt. Während die Geographen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als Entdecker bzw. Forschungsreisende vorwiegend an der systematischen Erfassung und Vermessung der Erde wirkten, so sind die Geographen des 21. Jahrhunderts zunehmend gefragte Fachleute sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Dienst, insbesondere vor dem Hintergrund globaler Probleme wie z. B. Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Migrationsströme, Verbreitung von Krankheiten, wirtschaftliche Ungleichheit, Umwelteingriffe und Ressourcenverbrauch, Hunger- und Trinkwassermangel und Verstädterung.

Geographen untersuchen die Erdoberfläche (Geosphäre) nach deren räumlichen Strukturen, den ablaufenden Prozessen, sowie deren Funktionsweisen (Wechselwirkungen zwischen den Geofaktoren). Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften und gehören je nach Ausrichtung (z. B. der Universität) zu den Naturwissenschaftlern, den Sozial- und Geisteswissenschaftlern oder zu den Raumwissenschaftlern. Sie erheben auf unterschiedlichen Maßstabsebenen selbständig raumbezogene Daten, analysieren diese, leiten aus ihnen allgemeine Theorien und Modelle ab und können anhand dieser raumbezogene Entwicklungstendenzen prognostizieren.

Geographen sind aufgrund der Breite des Fachgebiets häufig Generalisten, können aber auch nach einer Spezialisierung auf bestimmte Fachbereiche als Spezialisten fungieren. Ihre Arbeitsweise ist sowohl analysierend als auch normativ; als Planer eingesetzte Geographen orientieren sich am modernen Planungsverständnis und liefern Lösungsansätze für Probleme zwischen Mensch und Umwelt.


Johannes Vermeer: Der Geograph, 1669