Gerätturnen


Gerätturnen oder Geräteturnen[1] ist eine Individualsportart mit dem Ziel, an Turngeräten bestimmte Übungen nach vorgegebenen Kriterien der Technik und Haltung in verschiedenen Verbindungen auszuführen. Wettkampfmäßiges Geräte- und Bodenturnen wird auch als Kunstturnen bezeichnet und ist eine olympische Sportart. In der Schweiz wird diese Sportart auch grundsätzlich Kunstturnen genannt, da das dortige Geräteturnen anders organisiert ist.

Turnen leitet sich ursprünglich ab von dem Wort „Turnier“, das schon im Mittelalter der Ausdruck für sportliche Auseinandersetzung war.

Die Übungen des Gerätturnens wurden aus wissenschaftssystematischen Gründen auf der Grundlage ihrer wesentlichen Merkmale geordnet und unter strukturellen Gesichtspunkten in Klassen (Gruppen) zusammengefasst. Diese Systematisierung ist gleichzeitig die wissenschaftliche Grundlage der Terminologie. Die bewegungstechnische Verwandtschaft der in den Strukturgruppen zusammengefassten Übungen hat Konsequenzen für ihre Lehrweise. Die Übungen lassen sich unter dem Blickwinkel des Verhältnisses der Wirkung von inneren und äußeren Kräften in drei Arten einteilen:

Die meisten Übungen des Gerätturnens werden schwunghaft geturnt, wobei sich die Techniken (Turnübungen) vielfach aus der Kopplung von Merkmalen aus unterschiedlichen Strukturgruppen ergeben. Davon werden auch die Regeln für die Bildung der Übungsbezeichnungen (Terminologie) abgeleitet.

Die Abbildung veranschaulicht die Ordnungsbeziehungen zwischen den Strukturgruppen der Schwungübungen (nach Rieling, Leirich & R. Heß).

Friedrich Ludwig Jahn (1778–1852) gilt als der Schöpfer der frühen Turnbewegung in Preußen und ihr Ideengeber, was ihm später den Ruf des „Turnvaters“ einbrachte. Der erste öffentliche Turnplatz in der Berliner Hasenheide (1811) war sein Werk. Er wollte die männliche deutsche Jugend als Guerilla im Kampf gegen Napoleon ausbilden.[2] Sein Bemühen um die Entwicklung des Turnens galt auch der Realisierung seiner Erziehungs- und Bildungsabsichten: „Die Turnkunst soll die verlorene Gleichmäßigkeit der menschlichen Bildung wiederherstellen …“. Die von Jahn und seinen Vorturnern auf dem Turnplatz in der Hasenheide demonstrierten Vorstellungen von der Deutschen Turnkunst sind im Turnbetrieb bis heute in Geltung geblieben, ebenso viele Bezeichnungen der Jahn’schen Turnsprache. In den folgenden Jahren wurden viele Turnvereine und schließlich der Deutsche Turner-Bund gegründet. Aus dem Turnen entwickelte sich schließlich das Gerätturnen nach hundert Jahren als Weltsportart.


Turner beim Bodenturnen
Turner am Sprungtisch
Turner am Reck
Turner an den Ringen
Ordnungsbeziehungen
Turner am Pauschenpferd
Turner am Barren
Preistafel im Geräte-Siebenkampf