Geschichte der Kanarischen Inseln


Die Geschichte der Kanarischen Inseln umfasst die vorkoloniale und die koloniale Geschichte sowie die Ära bis in die Gegenwart der heute politisch zum Königreich Spanien, aber geografisch zu Afrika gehörenden Inselgruppe der Kanaren im Atlantik.

Die vorspanische Zeit lässt sich durch archäologische Funde bis in das 10. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgen. Sie wird eingeteilt in die Zeit der Entdeckung und ersten Kolonisation durch die Phönizier und Römer von etwa 1000 v. Chr. bis 400 n. Chr., die Zeit der Isolation von 400 n. Chr. bis zum Ende des 13. Jahrhunderts und die Zeit der Wiederentdeckung der Inseln durch europäische Seefahrer. Auf die Zerstörung der Inselkulturen vom Beginn des 14. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts folgte ab dem frühen 16. Jahrhundert die Integration in den kastilischen/spanischen Staat.[1]

Die Meerenge von Gibraltar, die wegen ihrer starken Strömungen von West nach Ost schwer für mediterrane Seefahrer zu durchschiffen war, bildete in der Antike die Grenze der gut bekannten Welt. Dahinter, im äußersten Westen, der Gegend, in der die Sonne unterging, lag nach der griechischen Mythologie die Welt der Finsternis, das Jenseits, die Gegend, in der sich der Hades befand. Herakles musste im Laufe seiner Arbeiten über die Säulen des Herakles hinausfahren. Er beschaffte für die Göttin Athene die Unsterblichkeit bringenden Äpfel der Hesperiden durch den Riesen Atlas, dem Herakles solange das Himmelsgewölbe abnahm. Ebenso wurde im Atlantik das Heim der Gorgo Medusa verortet, der Perseus das Haupt abschlug, wobei er sich mit einer Tarnkappe gegen ihren versteinernden Blick wappnete. Dort lagen die Elysischen Gefilde, auf die jene Helden entrückt wurden, die von den Göttern geliebt wurden oder denen sie Unsterblichkeit schenkten. Bei diesen „Glücklichen Inseln“ (Insulae Fortunatae) handelte es sich um die Inseln der Glücklichen oder Glückseligen, d. h. der Toten. Ein großer Teil der Begriffe der griechischen Mythologie wurde später auf die Kanarischen Inseln bezogen, weil sie eben auch im Westen außerhalb der Säulen des Herakles liegen.

Erste historisch glaubhafte Berichte über Fahrten durch die Straße von Gibraltar ins „Äußere Meer“, gemeint ist der Atlantik, stammen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. von den karthagischen Seefahrern Hanno und Himilkon, von der Küstenbeschreibung (Periplus) des Pseudo-Skylax sowie bei Herodot über den Griechen Pytheas. Herodot berichtet in seinen Historien allerdings, dass die Phönizier schon um etwa 600 v. Chr. im Auftrag des ägyptischen Pharaos Necho II. von Ost nach West um Afrika segelten.


Lage der Kanarischen Inseln; etwa 1.200 km vom spanischen Festland und zwischen 100 und 500 km westlich von Marokko entfernt
Inseln der Königsherrschaft (Islas de realengo) und
Inseln der Feudalherrschaft (Islas de señorío)
Abbildung aus der Version B (fol.1r) des Le Canarien
Der Herrscher der Majos bittet getauft zu werden, Abbildung zu Beginn des 46. Kapitels des Le Canarien Version B
Taufe eines der Herrscher der Majoreros, Abbildung vor Kapitel LXXX der Version B des Le Canarien
Stammesgebiete der Gomeros
Orte die bei der Eroberung Gran Canarias 1478 bis 1483 von Bedeutung waren
Herrschaftsgebiete auf der Insel La Palma im Jahr 1492, rot das Gebiet der Aceró
Friedliche Menceyatos (grün) kriegerische Menceyatos (rot)
Die Flotte von Pieter van der Does 1599 vor Las Palmas
Horatio Lord Nelson verwundet am 24. Juli 1797 auf Teneriffa
Karte der Kanaren von William Dampier 1699