Gewöhnliche Rosskastanie


Die Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), auch Gemeine Rosskastanie oder Weiße Rosskastanie genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Rosskastanien (Aesculus) innerhalb der Familie Seifenbaumgewächse (Sapindaceae). Sie ist auf dem Balkan heimisch und in Mitteleuropa verbreitet angepflanzt.

Die Gewöhnliche Rosskastanie wächst als sommergrüner Baum, der Wuchshöhen von bis zu 30 Metern erreicht. Sie kann ein Alter von bis zu 300 Jahren erreichen. Die Gewöhnliche Rosskastanie ist in der Jugend raschwüchsig und bildet einen kurzen, vollholzigen Stamm mit runder und breiter Baumkrone aus. Alte Bäume erreichen Stammdurchmesser bis zu 1 Meter. Der Stamm ist immer nach rechts drehwüchsig und von einem gelblichweißen, kernlosen Holz. Sie kann einen Nasskern ausbilden. Wie alle Rosskastanien-Arten ist die Gewöhnliche Rosskastanie ein Flachwurzler, mit weitstreichendem, starkem Wurzelwerk. Die Zweige sind dick und bräunlich-grau mit auffallender, fünf- bis neunspuriger Blattnarbe.

Die Borke ist bei jungen Bäumen hell-braun bis braun und glatt, später wird sie manchmal etwas rötlich, und ältere Bäume haben eine grau-braune, gefelderte Borke, deren grobrissige Platten sich aufbiegen und in Schuppen abblättern. Die Knospen sitzen gegenständig, mit einer auffallenden großen und dicken Endknospe, die eikegelig-spitz, mehrschuppig, glänzend und klebrig ist. Die Knospen erscheinen im Herbst.

Die gegenständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist 10 bis 18 Zentimeter lang und rinnig. Die sehr großen Blattspreiten sind fingerförmig zusammengesetzt mit fünf oder sieben Fiederblättern. Die Blattoberseite ist sattgrün, kahl, schwach glänzend und die -unterseite hellgrün mit filzigen Blattadern. Die einzelnen Fiederblätter sind bei einer Länge von 9 bis 18 Zentimetern sowie einer Breite von etwa 10 Zentimetern schmal verkehrt-eiförmig mit fein zugespitztem oberen Ende und doppelt gesägtem Blattrand, sie sind an ihrer Basis keilförmig verschmälert.

Die Blütezeit reicht je nach Witterung von April/Mai bis in den Juni. Die Blüten sitzen zu vielen in aufrecht stehenden Thyrsen zusammen, die im Volksmund auch „Kerzen“ genannt werden.

Die weißen, fünfzähligen Blüten haben, solange sie befruchtungsfähig sind, einen gelben Fleck. Nur in dieser Phase wird der zuckerreiche (bis zu 70 %) Nektar produziert.[1] Wenn die Blüten bestäubt wurden, färbt sich der Fleck rot. Das zeigt den Bestäubern, dass in den Blüten mit rotem Fleck nichts mehr an Nektar und Blütenstaub zu holen ist. Pro Staubblatt gibt es eine der höchsten bekannten Pollenkornzahlen: 26 000. Für einen Blütenstand sind es bis zu 42 Millionen.[1]


Illustration
Blütenstand
Klassischer Biergarten im Englischen Garten, München
Blühendes Exemplar in Parkanlage
Reste der Fruchtstände nach dem Fallen der Früchte
Abbildung der Rosskastanie in: Carolus Clusius: Rariorum plantarum historia, 1601[19] sowie in den von Georg Handsch bearbeiten Ausgaben der Mattiolischen Dioskurides-Kommentare 1563:[20] und 1586:[21]
Aus Christoph Wilhelm Hufeland Armen-Pharmacopöe (1810–1836). Zwei Rezepte zum Ersatz der Chinarinde