Glaube


Glaube oder Glauben im weitesten Sinne umfasst jede Art des Fürwahrhaltens, also anzunehmen, dass etwas wahr oder wahrscheinlich ist. Der Begriff wird jedoch oft in einem engeren Sinn verwendet als ein Fürwahrhalten, das im Kontrast zu bloßer Meinung und zum Wissen zwar subjektiv, aber nicht objektiv begründet ist. Es besteht Uneinigkeit darüber, was die wesentlichen Merkmale von Glauben sind: Repräsentationalisten identifizieren Glaubenshaltungen mit propositionale Einstellungen gegenüber Repräsentationen, während Funktionalisten deren kausale Rolle als wesentlich ansehen und Interpretionalisten die Abhängigkeit zu der Interpretation durch jemand anderen in den Vordergrund stellen.

Der Begriff des Glaubens wird auf verschiedene Arten von mentalen Einstellungen angewendet, die anhand einiger grundlegender Unterscheidungen kategorisiert werden können. Okkurrente Glaubenszustände sind entweder bewusst oder auf andere Weise kausal aktiv, während dispositionelle Glaubenszustände momentan inaktiv sind. Bei vollständigen Glaubenshaltungen wird etwas uneingeschränkt für wahr gehalten, während partielle Glaubenshaltungen einen Gewissheitsgrad im Bezug auf Wahrscheinlichkeit beinhalten. In der Hauptbedeutung wird Glaube als Glaube-dass angesehen, also als eine mentale Einstellung zu einer Proposition oder einem Sachverhalt. Dem steht die Verwendung als Glaube-an gegenüber, bei der es sich oft um ein Vertrauen zu einer Person oder um eine Einstellung zur Existenz von etwas handelt. Dieser Sinn spielt eine zentrale Rolle im religiösen Glauben bezüglich des Glaubens an einen transzendenten Daseinsbereich (etwa Gott, Heiliges, Numinoses, Dao u. a.). Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie der Inhalt eines Glaubenszustands von den Inhalten anderer Glaubenszustände derselben Person abhängt. Atomisten leugnen solche Abhängigkeitsbeziehungen, Molekularisten beschränken sie auf eng verwandte Glaubenszustände, während Holisten der Meinung sind, dass sie zwischen beliebigen Glaubenszuständen bestehen können. Externalisten nehmen an, dass die Glaubensinhalte einer Person von deren Beziehung zur Umgebung abhängen, während Internalisten der Meinung sind, dass sie ausschließlich dadurch bestimmt sind, was im Kopf dieser Person vor sich geht.

Der Glaube spielt eine zentrale Rolle in der Erkenntnistheorie, in der Wissen traditionell oft als gerechtfertigter wahrer Glaube angesehen wurde. In juristischen Kontexten wird der Begriff des Guten Glaubens verwendet für Situationen, in denen jemand zwar gegen das Gesetz handelte, dies jedoch ohne Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit tat.