Gletscher


Ein Gletscher (in Tirol und Süddeutschland auch Ferner, in Österreich auch Kees, in der Schweiz auch Firn genannt)[1][2][3] ist eine aus Schnee hervorgegangene Eismasse mit einem klar definierten Einzugsgebiet, die sich aufgrund von Hangneigung, Struktur des Eises, Temperatur und der aus der Masse des Eises und den anderen Faktoren hervorgehenden Schubspannung eigenständig bewegt.

Bei der Betrachtung der geomorphologischen Höhenstufen der Hochgebirge wird die Gletscherregion als glaziale Höhenstufe bezeichnet.[4]

Gletscher speichern derzeit 70 % des Süßwassers auf der Erde und sind nach den Ozeanen die größten Wasserspeicher. Sie bedecken in den Polargebieten große Teile der Landflächen. Gletscher sind bedeutende Wasserzulieferer für viele Flusssysteme und haben entscheidenden Einfluss auf das Weltklima. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist nahezu weltweit ein deutlicher Rückgang der Gletscher zu beobachten (siehe Gletscherschwund seit 1850).

Gletscher sind auch bedeutende Landschaftsformer, insbesondere waren sie dies in den Kaltzeiten (Eiszeitalter) des Pleistozäns, in welchen auf der Nordhalbkugel Inlandeismassen bis in das nördliche Mitteleuropa hineinreichten. Die Gletscher der Alpen, die in den Kaltzeiten sogar bis ins Alpenvorland vorstoßen konnten, formten gewaltige Trogtäler und prägen die Landschaft bis heute.

Unter Wissenschaftlern gibt es kein allgemein anerkanntes Kriterium, ab welcher Dimension von einem Gletscher gesprochen werden kann.[5] Jedoch muss nach den Maßstäben des United States Geological Survey einerseits die Dicke mindestens 100 ft (30,48 m) betragen (damit die Masse ausreichend für die Eigenbewegung ist),[6] andererseits die Oberfläche mindestens 0,1 km² messen.[5][6]

Das ursprünglich schweizerdeutsche Wort Gletscher entwickelte sich aus romanischen Dialektformen (vgl. heutiges glačer im Wallis[7]), die von vulgärlateinisch *glaciārium abstammen, welches von spätlateinisch glacia und lateinisch glaciēs („Eis“) abstammt.[8]


Großer Aletschgletscher, mit deutlich sichtbaren Mittelmoränen
Luftbild des Monte-Rosa-Bergmassivs in den westlichen Schweizer Alpen, das das Einfließen des Grenzgletschers (re.) in den Gornergletscher (li.) zeigt
Ein Wasserfall stürzt über die steile, 6 km breite und bis zu 40 m hohe Gletscherstirn des vorstoßenden Webber Glaciers (Grant Land, Ellesmere Island). Basales Moränenmaterial wird beim Vorstoß entlang von Scherflächen in das kalte Gletschereis integriert und verfaltet.
Ogiven (Forbes-Bänder) auf dem Mer de Glace
Nördliche Abbruchkante der Gletscherzunge des Perito-Moreno-Gletschers im Lago Argentino, dem größten See Argentiniens
Falljökull, ein Auslassgletscher des Öræfajökull, Island
Grímsvötn im Vatnajökull, einem Plateaugletscher in Island
Eiskar, der einzige Gletscher der Karnischen Alpen
Verteilung der Vegetationszonen während des Kältemaximums der letzten Kaltzeit, im Zeitraum 24.500 bis 18.000 v. Chr. in Europa[16]
weiß: Vergletscherung; rosa Strichellinie: Südgrenze der Tundra; weiße Punktlinie: Südgrenze des Permafrostbodens; grüne Linie: Steppe- / Baumgrenze; gelbe Schraffur: Lösswüste.
Schematische Darstellung der glazialen Detersion mit Geröllvorschub
Hohbalmgletscher, über Saas-Fee, Wallis, Schweiz
Talformung durch Gletscher
Gletscherspuren
Geschiebe vor dem Skaftafellsjökull, Island
Gletschereis
Ein Gletscher in der Antarktis
Gletscheisarbeiter am Unteren Grindelwaldgletscher um 1912.
Seilschaft beim Aufstieg zur Klockerin
Grafisch markierte Aufstiegsspur von Skitourengehern zur Wildspitze (3768 m) in Österreich. In der Bildmitte liegt der Gletscher Taschachferner, dessen Spalten im Spätwinter weiträumig und großteils mit Schnee verschlossen sind. Die in der Bildmitte erkennbare Bruchzone wurde von den Skibergsteigern links umgangen.
Engabreen, Svartisen, Norwegen
Quelccaya, Peru