Groß-Wien


Groß-Wien ist die Bezeichnung für die durch Eingemeindungen vergrößerte Stadt Wien. Erste Versuche zur Schaffung von Groß-Wien gab es zu Zeiten der Habsburgermonarchie. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde Wien zur „flächenmäßig größten Stadt des Reiches“ erweitert.

Der Begriff „Groß-Wien“ wird heute vor allem benutzt, um das durch die Eingemeindungen während der NS-Zeit vergrößerte Wien von der heutigen Stadt zu unterscheiden, denn in der Besatzungszeit wurde 1954 der größere Teil dieser Erweiterungen rückgängig gemacht. Die Eingemeindungen während der Zeit des Nationalsozialismus haben bis heute Einfluss auf die Infrastruktur der Region. Im verbliebenen Stadtgebiet Wiens wurden einige im Rahmen des Projekts vorgenommene Bezirksumgliederungen beibehalten.

Die Idee von Groß-Wien tauchte erstmals in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf. Im Jahre 1850 kam es zur ersten großen Stadterweiterung Wiens. Die Wiener Vorstädte, die innerhalb des Linienwalls lagen, wurden durch niederösterreichisches Landesgesetz eingemeindet und in Bezirke unterteilt. Auf diese Weise wurde die bisherige Stadt zum ersten Bezirk, alle bisherigen Vorstädte wurden zu den Bezirken II bis VIII (nach Teilung des IV. Bezirks: II bis IX).

In der Folgezeit entstanden Diskussionen, ob Wien nicht mit seinen Vororten zu einer Millionenstadt vereint werden sollte. Der Rechtsanwalt Leopold Florian Meißner richtete im Namen des Vorortes Währing eine Petition an den niederösterreichischen Landesausschuss, in dem er die Bildung von Groß-Wien anregte, das die Vororte in die Stadt eingemeinden sollte. Diese Vorschläge stießen beim Wiener Gemeinderat jedoch auf Ablehnung. Man befürchtete im Falle einer weiteren Stadtvergrößerung hohe Kosten, da dies beispielsweise einen Ausbau der Wiener Wasserversorgung bedeutet hätte. Das unruhige Industrie-Proletariat der Vororte sah man nur ungern in die Wiener Einwohnerschaft einbezogen. Auch einige Vororte traten für ihre Selbstständigkeit ein.

Am 30. September 1888 hielt Kaiser Franz Joseph I. anlässlich der Eröffnung des Türkenschanzparks in der damals noch selbstständigen Stadtgemeinde Währing eine Rede. Sie war wohl von der k.k. Regierung des Grafen Eduard Taaffe inspiriert und erregte Aufsehen, denn der Kaiser kommentierte die Eingemeindung der Vororte positiv. Hierauf beschloss der niederösterreichische Landtag 1890 ungeachtet der Einwände die Vereinigung Wiens mit den Vororten. Das Gesetz trat am 1. Jänner 1892 in Kraft. Zu dieser Zeit gab es in Wien rege Bautätigkeit und starke Zuwanderung. Die freien Flächen zwischen den noch unverstädterten Vororten wurden bald aufgefüllt und das Zentrum der Stadt erhielt durch repräsentative öffentliche Bauten neuen Glanz.


Orte in Groß-Wien
Karte von Groß-Wien:
_ Stadtgebiet in den alten Grenzen
_ Stadtgebiet 1938–1954
_ Stadtgebiet in heutigen Grenzen mittelorange
Der Nordwesten Groß-Wiens
Der Nordosten Groß-Wiens
Der Süden Groß-Wiens
Der Gefechtsturm im Augarten
Grenzvorschlag der Enquete für den Wiederaufbau (blaue Linie). Die meisten ländlichen Gebiete sollten abgetreten werden, Korneuburg allerdings dazukommen