Hämatit


Hämatit oder Blutstein, auch als Eisenglanz, Specularit, Roteisenstein und Roteisenerz bekannt, ist ein sehr häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Oxide (und Hydroxide) mit der Summenformel Fe2O3 und die häufigste natürlich auftretende Modifikation des Eisen(III)-oxids.

Hämatit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt verschiedene pyramidale, würfelähnliche, rhomboedrische oder tafelige bis säulige Kristallformen, die eine Größe von mehreren Zentimetern erreichen können. Daneben kommt er aber auch in Form von derben, traubigen und rosettenförmigen bis radialstrahligen Mineral-Aggregaten vor. Frische Proben sind von stahlgrauer bis schwarzer Farbe und starkem metallischem Glanz. Mit der Zeit können die Mineraloberflächen allerdings buntfarbig anlaufen oder durch Verwitterung eine mattrote Farbe annehmen.

Die Bezeichnung Hämatit leitet sich aus altgriechisch αἷμα haima „Blut, Blutvergießen, Blutsverwandter“ (Genitiv: αἵματος haimatos) ab, dessen Etymologie unklar ist.

Das Synonym Blutstein (lateinisch Lapis haematitis, lapis ematitis usw.[8] und Lapis haematites für „Blutstein“, Haematites sowie Ferrum haematites[9] und Ematites[10]) für Roteisen-Varietäten ist im deutschen Sprachraum seit dem 15. Jahrhundert[11] belegt. Das im englischen Sprachraum gebräuchliche Synonym bloodstone (übersetzt „Blutstein“) steht allerdings für den Heliotrop (deutsches Synonym „Blutjaspis“) und ist damit ein irreführender falscher Freund.[12]

Die inzwischen veraltete Bezeichnung Specularit (= „Spiegelstein“) weist darauf hin, dass Hämatit bereits in der Antike aufgrund seines starken Metallglanzes poliert und als Spiegel verwendet wurde.[13]

Der Rötelabbau war eine der frühesten Bergbauaktivitäten der Menschheit; das pulverförmige Mineral wurde schon vor 164.000 ± 12.000 Jahren in Pinnacle-Point in Südafrika genutzt.[14] Man findet Hämatit-Pulver auch in ca. 80.000 Jahre alten Grabstätten. Bei Rydno in Polen und bei Lovas in Ungarn sind paläolithische Rötelgruben bekannt (60.000 v. Chr.).


Blättriger Hämatit mit spiegelndem Glanz (rechts liegt roter Andradit auf)
Elementarzelle von Hämatit
Perfekt gewachsener Hämatit-Skalenoeder von der Insel Hormus, Iran (Größe: 2 × 0,5 × 0,5 cm)
Hämatitrosen aus Miguel Burnier (São Julião) bei Ouro Preto, Minas Gerais, Brasilien
Roter Glaskopf (englisch auch kidney ore ‚Nierenerz‘)
Hämatitkristalle (hellgrau) umwachsen Pyritkristalle (weiß) in einem polierten Dünnschliff von der Kitticoola Gold-Kupfergrube, South Australia
Roteisenstein, Fundort ehemalige Grube „Ruremark“ bei Wommelshausen, Gemeinde Bad Endbach
Zementation mit Hämatit (rot bis rotviolett) in einem Riffkalkstein
Roteisenerze (Roteisenglimmer, Roter Glaskopf, Blutstein) von Suhl/Thüringer Wald
Aus Hämatit gefertigte Skulptur eines Bären