Haus Burgund


Das (jüngere) Haus Burgund (französisch la maison de Valois-Bourgogne) war ein Seitenzweig des französischen Königshauses Valois aus dem Geschlecht der Kapetinger, der im Spätmittelalter zahlreiche Territorien beiderseits der deutsch-französischen Grenze zu einem weitgehend geschlossenen Länderkomplex unter seiner Herrschaft vereinigen konnte. Zeitweise gehörten die Herzöge von Burgund zu den mächtigsten Fürsten Europas. Obwohl sie für den westlichen Teil ihres Herrschaftsgebiets dem König von Frankreich und für den östlichen dem römisch-deutschen Kaiser lehnspflichtig waren, traten sie de facto als unabhängige Fürsten auf. Der Versuch, ein eigenständiges Königtum zu errichten, scheiterte jedoch mit dem Tod Karls des Kühnen 1477, des letzten Burgunderherzogs aus dem Haus Valois, und mit seiner Erbtochter Maria erlosch das Haus 1482 und wurde durch ihre Ehe vom Haus Habsburg beerbt.

1363 wurde Philipp der Kühne von seinem Vater, dem französischen König Johann dem Guten, mit Burgund belehnt. Durch Erbschaft und Kauf erwarb dieser die Freigrafschaft Burgund sowie Flandern. Sein Enkel Philipp der Gute konnte bis 1433 auch das Erbe der Wittelsbacher am Niederrhein (Holland, den damit verbundenen Hennegau sowie Zeeland), und das Erbe der 1438 ausgestorbenen Luxemburger (Luxemburg, Limburg sowie vor allem Brabant) an sich bringen. Nachdem sich Philipp in den französischen Thronwirren (→ Hundertjähriger Krieg) 1420 mit dem Vertrag von Troyes der englischen Partei angeschlossen hatte, konnte er eine unabhängige Großmachtpolitik verfolgen: Sein Vater Johann Ohnefurcht hatte noch als Haupt der Bourguignons vergeblich versucht, die Regierung über Frankreich zu erlangen und war am Widerstand der Armagnacs gescheitert. Mit dem Vertrag von Arras (1435) erwarb Philipp auch die Picardie, und die persönliche Lehnsabhängigkeit Philipps von Frankreich wurde beendet, was Burgund Souveränität zunächst auf Zeit und dem Herzog europäischen Rang einbrachte.[1] Der Konflikt mit den Valois blieb aber trotz der formellen Aussöhnung mit König Karl VII. bestehen.

Sein Sohn Karl der Kühne galt seinen Zeitgenossen als Idealbild des Ritters und war auch ständig in Kämpfe verwickelt. Mit der Verpfändung Vorderösterreichs durch Sigmund von Österreich 1469 und dem Erwerb des Gelderlandes 1473 erreichte der Länderkomplex schließlich seine größte Ausdehnung. Mit Kaiser Friedrich III. verhandelte er über die Erhebung zum König – Friedrich forderte als Preis die Hand von Karls Tochter Maria für seinen Sohn Maximilian. Nach der erfolglosen Belagerung von Neuss 1474 willigte Karl schließlich ein (den Nutzen hatte allerdings wegen seines frühen Todes das Haus Habsburg).


Das Wappen der Herzöge Philipps des Guten und Karls des Kühnen von Burgund aus dem Scheibler’schen Wappenbuch
Die drei Zweige des Hauses Burgund nach dem Tod Philipp des Kühnen 1404: Burgund, Brabant und Nevers
Macht- und Einflussbereich des Hauses Burgund unter Karl dem Kühnen bis 1477
Die Fahne der Herzöge von Burgund kombinierte seit Philipp dem Guten die Wappen der wichtigsten Herrschaften der Hauptlinie des Hauses Valois-Burgund