Heidelberger Senioren-Convent


Der Heidelberger Senioren-Convent (SC zu Heidelberg) ist der Senioren-Convent der Kösener Corps an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Mit seiner über 200-jährigen Tradition ist er die älteste noch bestehende studentische Institution in Heidelberg.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 fiel die rechtsrheinische Pfalz mit der Universitätsstadt Heidelberg an das Kurfürstentum und spätere Großherzogtum Baden. Die zunehmende Liberalisierung der unter den Wittelsbachern von den Jesuiten dominierten katholischen Universität führte zu einem Aufblühen des studentischen Lebens und zur freieren Entfaltung von Korporationen, die bis dahin in Heidelberg nur stark eingeschränkt agieren konnten. Noch Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich Studentenorden gebildet (nachweisbar sind in Heidelberg Harmonisten und Constantisten). Verschiedene Indizien sprechen aber auch schon für die Existenz von Landsmannschaften vor 1800. Der erste sichere Beleg liegt mit der Gründung der rheinländischen Landsmannschaft am 23. Juli 1802 vor, die vermutlich von Gießen oder Jena aus initiiert wurde. Diese „Gesellschaft der Rheinländer“ (Rhenania I) schloss mit der 1803 konstituierten Frankobadenia den ältesten überlieferten SC-Comment.[1] Rheinländer und Frankobadenser erkannten sich gegenseitig als einzige zulässige Korporationen an der Universität an und bildeten als Exekutivorgan den eigentlichen Senioren-Convent, der sich aus drei der älteren Mitglieder jeder Landsmannschaft zusammensetzte. Er diente dazu, „in öffentlichen Angelegenheiten“ das Vorgehen gemeinsam abzustimmen. Alle fremden sich in Heidelberg aufhaltenden oder durchreisenden Akademiker waren dem Comment unterworfen, wenn sie die gleichen Rechte wie die dem SC angehörigen Studenten genießen wollten. Nähere Bestimmungen regelten das Duell- und Verschisswesen.

Beide Landsmannschaften waren dezidiert ordensfeindlich ausgerichtet. Trotzdem wurde Rhenania vermutlich noch 1804 durch den Constantistenorden unterwandert und spaltete sich bald in zwei eigenständige Landsmannschaften der Oberrheiner (Rhenania superior) und Niederrheiner (Rhenania inferior) auf. Frankobadenia ging 1805 ein. Dafür sorgte die Reorganisation der Universität unter Karl Friedrich von Baden für massiven Zuzug von Studenten vor allem aus Norddeutschland. Unter dem Rektorat von Anton Friedrich Justus Thibaut verdoppelte sich die Zahl der immatrikulierten Studenten von unter 200 auf mehr als 400. Folge war die sukzessive Gründung weiterer Landsmannschaften.


Vollständiger Allgemeiner Burschen-Comment der Heidelberger Corps (1813)
Stammbuchblatt der Rhenania II (1822)
Theodor Verhas: Fackelzug des Heidelberger SC am 30. Januar 1857
Ausfahrt des Heidelberger SC an die Bergstraße (1861)
Philipp Franzmathes, SC-Diener, mit Stürmer in den Farben der fünf Heidelberger Corps und deren Mensurschlägern (1896)