Heiliger


In religiösen Vorstellungen ist ein Heiliger ein Mensch, der als einer Gottheit besonders nahestehend beziehungsweise als in religiöser und ethischer Hinsicht vorbildlich angesehen wird. Die Anerkennung von Heiligen kann religiösen oder politischen Autoritäten vorbehalten sein oder sich in der Akklamation und Verehrung durch das gläubige Volk vollziehen; eine wichtige Rolle kann dabei das Auftreten von als übernatürlich interpretierten Phänomenen (Wunder) im Zusammenhang mit den Heiligen spielen. Die darauf folgende – zumeist posthume – kultische Verehrung von Heiligen bezeichnet man als Heiligenverehrung.

Der Begriff des Heiligen ist religionswissenschaftlich nicht befriedigend definiert. Zum einen ist aufgrund der differierenden Anforderungen, die verschiedene Religionen an einen Heiligen stellen, keine für alle Religionen allgemeingültige Definition möglich. Zum anderen überschneidet sich der religiöse Typ des Heiligen mit mehreren anderen religiöser Autoritätstypen, und es ist bisher nicht gelungen, eine deutlich unterscheidende Charakteristik zu finden.

Die Grenzen der im Diskurs religiöser Autoritäten skizzierten Typen sind fließend und können sich in wichtigen Punkten überschneiden. Ein für alle Religionen allgemeingültiger Begriff ist nicht gegeben.

Typologische Gemeinsamkeiten dieser Art weist der Heilige besonders mit dem Märtyrer und dem Heros auf: Sein Grab oder der Aufbewahrungsort seiner Reliquien entwickelt sich zu einem kultischen Zentrum. Es ist das Ziel allgemeiner Verehrung, von Pilgerreisen und wird oft als Zentrum einer Nekropole genutzt. Allen drei Typen wird eine Funktion als Fürsprecher der Gläubigen gegenüber der göttlichen Autorität zugeschrieben.

Eine Verehrung ist oft wie beim Heros bereits zu Lebzeiten gegeben, kann aber wie beim Märtyrer auch nach dem Tod erfolgen. Ein Unterschied zum Typen des Märtyrers liegt darin, dass er die religiöse Vollkommenheit nicht durch seinen Lebenswandel, sondern durch die Art seines Sterbens erlangte. Beim Heiligen erweist sich die Vollkommenheit ohne ein solches Martyrium durch sein voraufgegangenes Leben. Im Gegensatz zum Heros fehlt ihm die göttliche oder halbgöttliche Abstammung.

Der Heilige kann zwar Kleriker sein oder dem „gottgeweihten Stand“ (Vita consecrata) angehören, muss es aber nicht. Weiterhin kann der Heilige das Charisma des Religionsstifters oder Reformators besitzen, im Gegensatz zu ihnen ist aber sein Ziel nicht Verkündigung einer (Glaubens-)Lehre und anschließende Bildung einer Gläubigenschar, sondern das Hervortreten durch sein religiös vorbildliches Leben.


Die Heiligen Kyrill, Katharina von Siena, Methodius, Birgitta von Schweden, Benedikt von Nursia und Teresia Benedicta vom Kreuz. Diese Heiligen bezeichnet die katholische Kirche auch als Patrone Europas.
Aris Kalaizis: Das Martyrium des hl. Bartholomäus, 2014/2015
Polykarp von Smyrna, einer der ersten Heiligen, der als Märtyrer verehrt wurde
Der hl. Franz von Assisi, Ordensmann und Bekenner
Chor der hl. Jungfrauen
Ikonendarstellung der hl. Jungfrau Maria
Das Grab der Erzväter in Hebron beherbergt sowohl eine Synagoge als auch eine Moschee.
Verehrungsstätte (mašhad) eines Marabout, die selten vom tatsächlichen Grab (turba) unterschieden wird. Das Kuppelgebäude heißt qubba (nahe der tunesischen Oase Chebika).
Der Bodhisattva Vajrapani (rechts) in einer an Herakles erinnernden Darstellung neben dem Buddha.
Konfuziusgrab in Qufu