Herrschaft Nachod


Die Herrschaft Nachod (tschechisch Panství Náchod bzw. Náchodské panství; nach 1850 auch Großgrundbesitz Nachod bzw. tschechisch Velkostatek Náchod) in Ostböhmen entwickelte sich auf dem Gebiet der mittleren Mettau, das von Hron von Nachod ab der Mitte des 13. Jahrhunderts kolonisiert worden war.

Im Laufe der Jahrhunderte kamen umfangreiche Besitzungen hinzu. Bei der Aufhebung der Patrimonialherrschaft 1848 war sie eine der größten Grundherrschaften in Böhmen. Das gesamte Gebiet gehörte bis zu dessen Aufhebung 1862 zum Königgrätzer Kreis. Hauptort der Herrschaft war die jetzige Kreisstadt Náchod mit Schloss Náchod.

Die Burg- bzw. Schlossherren von Nachod waren auch Besitzer der gleichnamigen Grundherrschaft, deren erster, Hron von Nachod, dem Geschlecht der Načeraticer entstammte. Dessen Enkel Ješek musste um 1325 Nachod mit dem böhmischen König Johann von Luxemburg gegen Kostelec nad Černými Lesy tauschen. Nach mehreren Besitzerwechseln folgten im Jahr 1415 Boček II. von Podiebrad und nach dessen Tod 1417 dessen Sohn Viktorin von Podiebrad.

Obwohl nach Viktorins Tod 1427 dessen damals sechsjähriger Sohn, der spätere böhmische König Georg von Podiebrad, die Besitzungen erbte, bemächtigte sich während der Hussitenkriege am 29. September 1437 der Taboritenfeldherr Jan Kolda von Žampach der Stadt Nachod, die er fast zwanzig Jahre halten konnte. Er erneuerte die Nachoder Burg, 1442 ließ er das älteste Nachoder Stadtbuch anlegen und ernannte einen Stadtrat, der sich überwiegend aus Gleichgesinnten zusammensetzte. Obwohl am 20. November 1453 König Ladislaus Postumus dem damaligen Landesverweser Georg von Podiebrad die Ansprüche auf Stadt und Burg Nachod sowie weitere ostböhmische Besitzungen bestätigte, konnte sich Jan Kolda in Nachod weiterhin behaupten. Erst als er sich 1454–1458 mit seinem Söldnerheer zu einem Kriegszug in Polen aufhielt, gelang es Georg von Podiebrad nach einer Belagerung im April und Mai 1456, die Stadt Nachod und die bis dahin von Jan Kolda gehaltenen ostböhmischen Besitzungen einzunehmen.

Noch zu seinen Lebzeiten übertrug Georg von Podiebrad im Jahr 1458 Nachod seinen Söhnen Boček und Viktorin. Nach Georgs Tod 1471 erbte Nachod, nach der Erbteilung von 1472, Georgs Sohn Heinrich d. Ä. Er sah sich 1497 gezwungen, die Herrschaft Nachod dem Jan Špetle von Pruditsch (Jan Špetle z Prudic a ze Žlebů) zu verpfänden. Nach Heinrichs Tod 1498 gelang es seinen Söhnen nicht, das Pfand auszulösen, so dass sie Nachod dem Jan Špetle verkaufen mussten. Er erwarb 1519 die Herrschaft Vízmburk und inkorporierte sie seiner Herrschaft Nachod.


Schloss um 1740
Ansicht um 1850
Schloss Nachod
Schloss Ratibořice
Schloss Chvalkovice
Friedhof am weißen Kreuz in Náchod mit Gräbern der Besitzer von Schloss Náchod