Herzog August Bibliothek


Die Herzog August Bibliothek (kurz HAB, amtliche Bezeichnung Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel[1]) in Wolfenbüttel (Niedersachsen) – auch bekannt unter dem Namen Bibliotheca Augusta – ist eine international bekannte Bibliothek. Wegen ihres bedeutenden Altbestands aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit ist sie wichtige Forschungsstätte für die Kultur dieser Zeit. Die Forschung wird durch internationale Stipendienprogramme gefördert. Wissenschaftliche Tagungen, kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen von überregionaler Bedeutung werden organisiert.

Die HAB ist Mitglied der aus sechs deutschen Bibliotheken bestehenden Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke, die eine dezentrale Nationalbibliothek für Deutschland bildet. Im Rahmen dieses Projektes ist die HAB für die Sammlung von deutschen Drucken des 17. Jahrhunderts zuständig. Wegen ihres Altbestandes war die Bibliothek auch intensiv an der Erstellung der retrospektiven Nationalbibliografien VD 16 und VD 17 beteiligt.

Sie untersteht unmittelbar dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, das die Arbeit der HAB durch einen international besetzten Wissenschaftlichen Beirat begleiten lässt. Direktor der Bibliothek ist seit 2016 Peter Burschel.[2]

Herausragende, in der HAB aufbewahrte Einzelwerke sind das Evangeliar Heinrichs des Löwen (entstanden zwischen 1174 und 1189, höchstwahrscheinlich 1188) und das Große Stammbuch von Philipp Hainhofer aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Im 17. Jahrhundert galt die Herzog August Bibliothek als die größte Bibliothek nördlich der Alpen und wurde als achtes Weltwunder bezeichnet.[3]

Gegründet wurde die Herzogliche Bibliothek in der Residenzstadt Wolfenbüttel durch Herzog Julius zu Braunschweig-Lüneburg (1528–1589), der während seines Studiums um 1550 in Frankreich begann, Bücher zu sammeln.[4] Nach dem Kauf einiger Ritterromane und von Studienliteratur erwarb er ab 1558 auch theologische Schriften und 1567 erstmals eine große geschlossene Sammlung: die Bibliothek des Nürnberger Stadtsyndikus Michael von Kaden († zwischen 15. Dezember 1540/9. März 1541), die vor allem juristische und humanistische Schriften enthielt.[5] 1570–1572 wurden im Zuge der Einführung der Reformation im Herzogtum die Bibliotheken der Klöster Dorstadt, Wöltingerode, Heiningen und Steterburg nach Wolfenbüttel überführt.[6]


Herzog August in der Bibliothek
Kupferstich von Conrad Buno, um 1650
Bibliotheksrotunde im 18. Jahrhundert, Stich von Anton August Beck
Bibliotheksrotunde im 18. Jahrhundert, Stich von Anton August Beck
Die Rotunde, Gemälde von Ludwig Tacke (1888)
Die Rotunde, Gemälde von Ludwig Tacke (1888)
Holzmodell der alten Bibliotheksrotunde, ausgestellt im Lessinghaus (2022)
Alter Bücherschrank aus der Bibliotheksrotunde
Lesesaal im Hauptgebäude (2022)
Magazingebäude, erbaut von 2009 bis 2013
Krönungsbild aus dem Evangeliar Heinrichs des Löwen (Cod. Guelf. 105 Noviss. 2°)
Der Agrimensorencodex (Cod. Guelf. 36.23 Aug. 2°)