Burgundische Geschichte


Die Burgundische Geschichte umfasst die Entwicklung der verschiedenen Gebiete und Gemeinwesen zwischen Mittelmeer und Nordsee, die von der Spätantike bis in die Frühe Neuzeit den Namen Burgund trugen. Den Anfang bildete die Besiedlung der heutigen Westschweiz und Südostfrankreichs durch den germanischen Stamm der Burgunder in der Zeit der Völkerwanderung. Zwischen den verschiedenen Gebilden, die in den folgenden Jahrhunderten deren Namen weitertrugen, bestanden zahlreiche kulturelle, wirtschaftliche und dynastische Verbindungen (siehe die Liste der Herrscher von Burgund); doch hatten sie nie klare geographische Grenzen oder eine ethnische Identität und waren nur dynastisch greifbar. Wegen „fehlende[r] Kontinuität“ eines einheitlichen politischen Raums entwickelte sich aus Burgund daher „kein kollektives Subjekt“.[1] Heute bezieht sich mit der französischen Region Bourgogne-Franche-Comté nur noch eine Verwaltungseinheit namentlich auf diese Tradition (zu deren historischer Entwicklung siehe die Geschichte der Regionen Bourgogne und Franche-Comté).

Das Volk oder der Stamm der Burgunder wird den Ostgermanen zugerechnet. In der Spätantike gelangte es im Zuge der Völkerwanderung an den Rhein und begründete dort im Jahre 413 ein eigenständiges Reich als römische Foederaten. Mittelpunkte waren die Städte Borbetomagus (Worms) und Noviomagus (Speyer).[2] Obwohl dieses historisch kaum fassbare Burgunderreich bereits 436 einem Angriff der Hunnen zum Opfer fiel, geriet es nicht ganz in Vergessenheit. Heldenlieder wie vor allem das Nibelungenlied, das allerdings erst zu Beginn des 13. Jahrhunderts niedergeschrieben wurde, besangen seinen Untergang. Politisch und für die spätere Identitätsbildung blieb dieses erste Burgunderreich indessen bedeutungslos.[3]

Nach erneuten Konflikten und Niederlagen gegen die Römer siedelte der römische Heermeister Flavius Aëtius die Burgunder um 443 im Militärdistrikt Sapaudia im Bereich des Genfersees in der heutigen Westschweiz und in Savoyen an. Dort gründeten sie ein Königreich und lebten wiederum als römische Foederaten in Garnisonen mit der Aufgabe, die dortigen Alpenpässe gegen die nördlich siedelnden Alamannen abzusichern und als Hilfstruppen gegen Hunnenangriffe schnell verfügbar zu sein.[4] Da die Burgunder der ansässigen keltoromanischen Bevölkerung zahlenmäßig stark unterlegen waren, konnten sie zwar eine um ihren König vereinte Herrenschicht bilden, wurden jedoch bald romanisiert.


Das Königreich der Burgunder bis 534
Das fränkische Teilreich Burgundia
Die Königreiche Hoch- und Niederburgund sowie das Herzogtum von Richard dem Gerichtsherrn
Das Herzogtum Burgund erreichte unter Karl dem Kühnen (1465–1477) de facto den Status einer unabhängigen Mittelmacht in Europa
Maria von Burgund, 1457–1482
Das Porträt des Kaisers Maximilian und seiner Familie illustriert die Heiratsverbindung zwischen Maximilian von Habsburg (links) und Maria von Burgund (rechts); Genealogische Darstellung von Bernhard Strigel, nach 1515
Der junge Karl V. mit der Kette des burgundischen Vliesordens