Hinterglasmalerei


Unter dem Begriff Hinterglasmalerei fasst man Glasbilder zusammen, die von der Rückseite der Glasplatte her bemalt sind und in der Aufsicht betrachtet werden. Sie unterscheiden sich darin von den aus Kirchenfenstern bekannten Glasmalereien, die erst in der Durchsicht ihre Leuchtkraft entfalten. Die Ausführung auf der Rückseite der Flachglasscheiben intensiviert die Farben der Hinterglasbilder und verleiht ihnen dauerhaften Glanz.

Während einige frühe Beispiele von Hinterglasmalerei in Technik und Ausführung von höchster Qualität sind, aber in verschwindend geringer Zahl erhalten blieben, haben die religiös-volkstümlichen Hinterglasbilder des späten 18. und des 19. Jahrhunderts weite Verbreitung gefunden, sind im 20. Jahrhundert wieder sehr populär geworden und haben zur Nachahmung angeregt.

Techniken der Hinterglasmalerei lassen sich bis in die Hochkunst der Antike zurückverfolgen. Die Verwendung von Blattgold spielte hier eine besondere Rolle, Genaueres dazu wird in den Artikeln Zwischengoldglas und Églomisé abgehandelt. Über die Wertschätzung im Mittelalter und der frühen Neuzeit erfahren wir mehr aus den Schriftquellen als durch die zerbrechlichen Objekte selbst, von denen sich bis heute nur wenige erhalten haben. Im 18. Jahrhundert nahm die Produktion zu, auch in Holland und vor allem der Schweiz entwickelten sich eigene Traditionen, die jetzt auch mit einer ganzen Reihe von Handwerkernamen verbunden werden können. Das Zentrum in Deutschland war Augsburg, hier wurde das Metier sogar in die zünftische Ordnung integriert.[1] Serienherstellung nach fremden Vorlagen, Arbeitsteilung, Verlagssystem und weitreichende Vertriebswege gehörten zu den Entstehungsbedingungen dieser „Mengenware“.[2] Bis nach Nord- und Südamerika ging der Export. Schematisierung und künstlerischer Niedergang waren die Folge. Doch gleichzeitig schwang sich in der Epoche des Klassizismus die bildhafte Ausführung von Glasradierungen (Églomisé) zu einer vorübergehenden Mode auf. In der Farbkombination Gold/Schwarz fertigten einzelne Dilettanten, Glashandwerker und professionelle Künstler individuelle Wandbilder und Porträts.

Im Übrigen änderten sich aber in dieser Zeit Funktionen, Produktionsweisen und Bildinhalte der gewöhnlichen Hinterglasmalerei grundlegend. Sie wurde zu einem Zweig der Volkskunst. Glas war inzwischen kein Luxusmaterial mehr. Für einen ländlichen Käufermarkt produzierten spezialisierte, oft im winterlichen Nebenerwerb tätige Klein- und Familienbetriebe Hinterglasbilder, meist mit Devotionalcharakter. Diese Werkstätten waren häufig in der Nähe von Glashütten zu finden.


„Hl. Barbara“, wohl Augsburg, 2. Hälfte 18. Jh.
„Anna lehrt Maria“, Sandl/Oberösterreich, 1. Hälfte 19. Jh.
Totenerinnerung, 1875
Franz Marc: Bildnis Henri Rousseau, 1911, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München