Historische Provinzen Frankreichs


Die historischen Provinzen Frankreichs (französisch provinces, Sg. province) sind die ehemaligen territorialen Einheiten, in die Frankreich bis 1792 gegliedert war.

Viele Provinzen entsprechen ehemals selbständigen Territorien, die im Laufe der Zeit auf verschiedenen Wegen Teil der Krondomäne (Domaine royal) der französischen Könige geworden waren: an die französische Krone zurückgefallene oder von dieser eingezogene Lehen, durch Personalunion mit der französischen Krone vereinigte Territorien oder Gebiete fremder Staaten, die an Frankreich abgetreten oder von diesem annektiert wurden. Einen Sonderstatus hatte der zu Frankreich gehörende Teil des Königreiches Navarra (Royaume de Navarre), der auch als Nieder-Navarra (Basse-Navarre) bekannt ist. Dieser war zwar faktisch eine der Provinzen Frankreichs, formalrechtlich jedoch ein mit Frankreich nur in Personalunion verbundenes selbständiges Königreich, weshalb die Könige von Frankreich bis 1789 (und nach der Restauration erneut bis 1830) den Titel König von Frankreich und von Navarra (roi de France et de Navarre) führten.

Die Provinzen unterstanden zwar einer gemeinsamen Zentralregierung, behielten jedoch ihren jeweiligen auf Gewohnheitsrecht (coutumes et privilèges) beruhenden eigenständigen Rechtsstatus. Einzelne Gebiete innerhalb einer Provinz konnten wiederum eigene Gewohnheitsrechte besitzen und damit Provinzen innerhalb dieser Provinz bilden. Daher ist eine abschließende Aufzählung aller Provinzen kaum möglich. Von Seiten der zentralen Verwaltung wurden für verschiedene Zwecke verschiedene territoriale Verwaltungseinteilungen verwendet, die sich zudem von Zeit zu Zeit änderten, so dass auch auf dieser Grundlage keine einheitliche Liste erstellt werden kann.

Zu den wichtigsten rechtlichen Unterschieden gehörte die unterschiedliche Organisation der Steuererhebung. In der Mehrzahl der Provinzen, den sogenannten pays d’élections, waren lokale gewählte Vertreter, die sogenannten élus, für die Steuererhebung zuständig. In den sogenannten pays d’États existierte eine provinziale Ständeversammlung, die auch für die Steuerbewilligung zuständig war, wenn auch die französischen Könige bestrebt waren, die politische Rolle der Provinzialstände ebenso wie diejenige der Generalstände des gesamten Königreiches möglichst weit zu beschränken. In den im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts an den französischen Staat angegliederten sogenannten pays d’imposition gab es weder Provinzialstände noch élus, sondern die Steuererhebung lag direkt in den Händen der königlichen Intendanten.


Die Verwaltungsgliederung Frankreichs zur Zeit des Ancien Régime, nach einer 1721 von dem Hofgeographen Guillaume Delisle angefertigten Karte. In Nürnberg von den Erben Johann Baptist Homanns (1664–1724) im Jahre 1741 gedruckt.
Die historischen Provinzen Frankreichs vor der Revolution sowie heute zu Frankreich gehörende Territorien aus dieser Zeit:
1 Île-de-France (die historische Domaine royal, Hauptort Paris)
2 Berry (Hauptort Bourges)
3 Orléanais (Hauptort Orléans)
4 Normandie (Hauptort Rouen)
5 Languedoc, hauptsächlich die Grafschaft Toulouse (Hauptort Toulouse)
6 Lyonnais (Hauptort Lyon)
7 Dauphiné, Grafschaft Vienne (Hauptort Grenoble)
8 Champagne (Hauptort Troyes)
9 Aunis, ein aquitanisches Lehen (Hauptort La Rochelle)
10 Saintonge (Hauptort Saintes)
11 Poitou, ein aquitanisches Lehen (Hauptort Poitiers)
12 Aquitaine, seit 13. Jh. Guyenne, mit der Gascogne (Hauptort Bordeaux)
13 Bourgogne (Hauptort Dijon)
14 Picardie (Hauptort Amiens)
15 Anjou (Hauptort Angers)
16 Provence (Hauptort Aix-en-Provence)
17 Angoumois (Hauptort Angoulême)
18 Bourbonnais (Hauptort Moulins)
19 Marche (Hauptort Guéret)
20 Bretagne (Hauptort Rennes)
21 Grafschaft Maine (Hauptort Le Mans)
22 Touraine (Hauptort Tours)
23 Limousin (Hauptort Limoges)
24 Grafschaft Foix (Hauptort Foix)
25 Herzogtum Auvergne (Hauptort Clermont-Ferrand)
26 Béarn (Hauptort Pau)
27 Elsass (Hauptort Straßburg)
28 Artois (Hauptort Arras)
29 Roussillon (Hauptort Perpignan)
30 Flandern (Hauptort Lille)
31 Franche-Comté (Freigrafschaft Burgund) (Hauptort Besançon)
32 Lothringen (Hauptort Nancy)
33 Korsika (nicht auf der Karte abgebildet, Hauptort Ajaccio)
34 Nivernais (Hauptort Nevers)
35 Grafschaft Venaissin, 1274–1791 päpstliches Lehen (Hauptort Avignon)
36 Mülhausen im Elsass (bis 1798 Teil der damaligen Schweiz, der Alten Eidgenossenschaft)
37 Savoyen, bis 1792 bzw. 1860 Teil des Königreichs Sardinien-Piemont (Hauptort Chambéry)
38 Grafschaft Nizza, bis 1792 bzw. 1860 Teil des Königreichs Sardinien-Piemont (Hauptort Nizza)
39 Grafschaft Mömpelgard (1397–1793 unter württembergischer Herrschaft, Hauptort Montbéliard)
Die historischen Provinzen (Farben) und die heutigen Départements (Linien)
Steuerrechtliche Einteilung der Provinzen