Holzschnitt


Der Holzschnitt ist ein Hochdruckverfahren, bei dem ein reliefartiger hölzerner Druckstock verwendet wird, um Grafiken zu erzeugen; auch die so erzeugte einzelne Grafik wird Holzschnitt genannt. Der Holzschnitt zählt wie der Holzstich und der Blockdruck zu den xylographischen Verfahren. Seit der Erfindung des Buchdrucks war der Holzschnitt das geeignete Verfahren, um Bücher zu illustrieren, da der Druckstock in den typographischen Satz eingefügt und mit ihm zusammen in einem Arbeitsgang gedruckt werden konnte.

Holzschnitte, bei denen verschiedene Holzschnittplatten für verschiedene Farben verwendet werden und somit auf dem fertigen Abzug mehrere Farben zu sehen sind, bezeichnet man als Farbholzschnitte.

Zur Herstellung des Druckstocks werden von einem glatt gehobelten Holzbrett mit Schneidemessern die nicht druckenden Teile entfernt und die erhabenen Teile danach eingefärbt und abgedruckt (Hochdruck). Der Abdruck erfolgt durch Handabreibung mittels eines Falzbeins oder durch eine Druckpresse.

In der Regel wird ein Holzblock so zugeschnitten, dass eine etwa zwei bis vier Zentimeter starke Platte entsteht, deren Fasern in der Richtung der Bildfläche verlaufen (Langschnitt). Sie wird sorgfältig gehobelt, geschliffen und geglättet, bis die vollkommen plane Fläche mit einer Grundierung, meist einer dünnen weißen Kreideschicht, überzogen werden kann. Auf dieser Kreideschicht wird in der Regel vom Künstler die Vorzeichnung angebracht, danach mit verschiedenen Messern die vorgezeichneten Linien haarscharf umschnitten. Dies erfolgt nicht mit einem senkrechten Schnitt, sondern mit zwei Schnitten, einem schrägen von der aufgezeichneten Linie weg und einem gegenschrägen (Schnitt und Gegenschnitt), wobei sich dann ein Holzspan entfernen lässt. Am Ende dieses Prozesses bleiben die Linien und Flächen der Zeichnung als Grate, Stege oder Inseln stehen. Bei diesem so genannten Schwarzlinienschnitt wird die Figuration durch schwarze Linien auf weißem Grund gebildet.

Der fertige Druckstock wird schließlich mit Druckfarbe eingefärbt, was durch Aufdrücken eines faustgroßen, getränkten Ballens geschieht oder häufiger noch durch Überrollen mit einer Walze.

Die Bezeichnung im Stock signiert meint: Im Druckstock vom Holzschnitt befindet sich die Signatur des Künstlers.


Druck von der nebenstehenden Druckplatte, British Museum
Martyrium des heiligen Sebastian, Druckstock, Süddeutschland um 1470–1475
Der Holzschneider, nach einer Originalzeichnung von Hans Rüger
Woody Allen von Manfred Behrens (links der fertige Druck, rechts die Druckplatte im Schwarzlinienschnitt)
Hartmann Schedel: Die Zerstörung von Jerusalem, 1493
Köln im Jahr 1531, Holzschnitt von Anton von Worms
Gerhard Hermanns, beim manuellen Holzdrucken in seinem Atelier
Hans Holbein der Jüngere: Bild aus dem Zyklus Totentanz, 1526
Szene aus Das Westzimmer, Farbholzschnitt von Min Qiji, China, 1640
Shunga von Torii Kiyonaga: Onna Yu (女湯, deutsch „Frauenbad“)
Onchi KōshirōPoem No. 13 (1950)
Maria Uhden, Kuh und Frau mit Kind, Holzschnitt, 1918, 18,3 × 14 cm