Hospiz (Brauch)


Ein Hospiz (auch Hospitium (lat. „Gastfreundschaft“, „Herberge“) oder Schmaus) war im 18. Jahrhundert eine an Universitäten des deutschen Sprachraums übliche studentische Geselligkeit.

Da diese Veranstaltungsform von den Universitätsbehörden meist nicht gutgeheißen oder sogar verboten war, ist die Quellenlage dünn und oft widersprüchlich. Generell scheint es Hospize sowohl in Form einer Privateinladung eines Studenten an seine Kommilitonen, andererseits aber auch als offizielle Repräsentations-Veranstaltung der im 18. Jahrhundert üblichen landsmannschaftlichen Zusammenschlüsse der Studenten gegeben zu haben.

Eingeladen wurde in die Privatunterkunft eines der Studenten. Hier wurden die Gäste von den Wirtsleuten bewirtet. Es wurde gegessen, getrunken und geraucht, manchmal auch getanzt und oft gefochten. Der Gastgeber bestimmte, was jeder zu trinken hatte. Seinen Anordnungen musste gefolgt werden. Er selbst hatte den Gästen gegenüber keine Verpflichtungen.[1]

Aus einigen Quellen geht hervor, dass der Leiter (Praeses) nicht mit dem Gastgeber (Hospes) identisch zu sein brauchte. Dieses ist wohl eher bei offiziellen Veranstaltungen von Landsmannschaften anzunehmen.

Wenn der Hausherr die Veranstaltung leitete, trug er als Zeichen seiner Würde einen Hausmantel im Gegensatz zur Straßenkleidung seiner Gäste. Als weiteres Abzeichen diente der Hausschlüssel, den er in der Hand hielt, oder auf dem Tisch vor sich liegen hatte, wie aus Darstellungen des 18. Jahrhunderts ersichtlich ist.

Schriftliche Regeln des Hospitiums sind erhalten. So erschien 1747 anonym das Werk Das Hospitium oder Richtiger Beweis aller bey dem Hospitio üblichen Rechte und Gewohnheiten.


Hospitium in Jena, Stammbuchmalerei um 1750: Der Gastgeber (links im Hausmantel mit Hausschlüssel) lässt seine Gäste trinken, „biß ihr unter dem tisch liegt“.
Hospiz in Jena 1771
„Dendrono“ (Johann Georg Puschner), „Der sauffende Student“, Kupferstich von 1725
„Dendrono“ (Johann Georg Puschner, Nürnberg) – „Der rauffende Student“. Der Kupferstich von 1725 zeigt einen „Schmauss“ von Studenten der Universität Altdorf, der in einer wilden Rauferei endet.
Göttinger Studenten 1765 beim Landesvater
Göttinger Senioren 1774 beim Landesvater unter Leitung des Kurländers, kritisch beäugt vom Hannoveraner (hinten links)
Schattenriss des Kurländer Seniors v. Buddenbrock (Silhouetten-Sammlung Schubert 1779)
Schattenriss des Hannoveraner Seniors v. Mahrenholz (1779)