Hugenottenkriege


Die Hugenottenkriege 1562 bis 1598 waren eine Reihe von acht Bürgerkriegen in Frankreich. Sie sind durch das Massaker an den französischen Protestanten oder genauer den Calvinisten, den sogenannten Hugenotten, in der Bartholomäusnacht und die politische Beendigung durch den populären König Heinrich IV. den Franzosen heute noch bewusst. Ziel einer katholischen Adelspartei war es, die Hugenotten mindestens von den staatlichen und kirchlichen Pfründen auszuschließen und zugleich das Königtum zu kontrollieren. Sie markierten das letzte Aufbäumen regionaler Kräfte gegen die absolutistische Zentralmacht in Frankreich und waren – auf beiden Seiten gleichermaßen – gekennzeichnet von Machtgier, Verrat und Rachsucht.[2]

Ähnlich wie der spätere Dreißigjährige Krieg waren die Hugenottenkriege keine reinen Religionskriege; dynastische und machtpolitische Hintergründe spielten eine ebenso große Rolle. In den Hugenottenkriegen, die in Frankreich ausgetragen wurden, ging es also nicht nur um die Frage der richtigen Glaubenszugehörigkeit. Der französische Adel kämpfte auch um seine Privilegien und Handlungsfreiräume gegenüber dem Ausbau einer zentralistischen Monarchie, der unter der Herrschaft von Franz I. begann. Auf dem europäischen Schauplatz wiederum war das Bestreben neue Koalitionspartner zu finden, um das als übermächtig eingeschätzte habsburgische Spanien Philipps II. zu kontrollieren. Dies vor dem Hintergrund des schwelenden Konfliktes zwischen den Königreichen England – Elisabeth I. wurde 1558 inthronisiert (Elisabethanisches Zeitalter) – und dem habsburgischen Spanien.

Frankreich war unter den Valois-Herrschern Franz I. (1515–1547) und seinem Sohn Heinrich II. (1547–1559) der stärkste europäische Staat der Renaissance, doch schon vor dem Vertrag von Cateau-Cambrésis 1559 zeichnete sich ab, dass es diese Stellung an Spanien verlieren würde. Gleichrangig war nur ihr dauerhafter Rivale Kaiser Karl V.; dieser beherrschte jedoch ein zusammengeerbtes Konglomerat von Staaten, die sich rings um Frankreich gruppierten. Die französische Stabilität beruhte stark auf der religiösen Einheit und den nationalen Kriegen gegen Karl V. und seinen Sohn Philipp II., die allerdings den französischen Adel militarisierten. Die vorzeitigen Tode von Heinrich II. und seines ältesten Sohnes ein Jahr später schufen eine gefährliche dynastische Situation, in der die aus Italien stammende Königin Katharina von Medici die Adelsparteien gegeneinander ausspielte, um ihren minderjährigen Söhnen den Thron zu sichern. Wesentlicher Bestandteil war das Ringen um die Macht in Frankreich zwischen dem Haus Guise (Lothringen) einerseits und dem Haus Bourbon andererseits.


Le massacre de la Saint-Barthélemy, die blutige Bartholomäusnacht des Jahres 1572, gemalt von François Dubois (1529–1584)
Das Blutbad bei der Michelade in Nîmes vom 29. September 1567: Um die hundert katholische Mönche und Kleriker fielen den protestantischen Aufrührern zum Opfer.[1]
Frankreich in den Religionskriegen (Grenzen von 1685)