Johann Ohneland


Johann Ohneland (* zwischen 25. Dezember 1166 und 6. Januar 1167; † 19. Oktober 1216 auf Newark Castle, Newark-on-Trent), englisch John Lackland, eigentlich französisch Jean Plantagenêt, genannt Jean Sans-Terre, war von 1199 bis 1216 König von England, Lord von Irland, Herzog der Normandie und von Aquitanien sowie Graf von Anjou. Er war der jüngste Sohn des englischen Königs Heinrich II. und von Eleonore von Aquitanien. Nach dem Tod seines Bruders Richard Löwenherz wurde er 1199 englischer König. Im Krieg mit Frankreich verlor er bis 1204 die Normandie und weite Teile seiner Festlandsbesitzungen, des sogenannten Angevinischen Reichs. Seine Rückeroberungsversuche scheiterten. Während seiner Herrschaft kam es zu einer Rebellion der englischen Barone, die ihn 1215 zur Anerkennung der Magna Carta zwang.

Über das Geburtsdatum und den Geburtsort von Johann gibt es keine genauen Angaben. Wahrscheinlich wurde er zwischen Weihnachten 1166 und dem Dreikönigsfest 1167 entweder im Tower of London oder im Palace of Westminster geboren.[1] Über die Jugend und die Erziehung von Johann ist sehr wenig bekannt, und als vierter Sohn des Königs wurde er nur wenig beachtet. Als Kleinkind wurde er in der Abtei Fontevrault im Anjou erzogen, später im Haushalt seines ältesten Bruders Heinrich. Sein Lehrer war Ranulf de Glanville, und Johann lernte auch Lesen und Schreiben. Als Erwachsener besaß er eine Bibliothek mit lateinischen und französischen Schriften. Seinen Beinamen Ohneland erhielt Johann bereits als Kleinkind, weil er 1169 von seinem Vater bei der mit dem französischen König in Montmirail vereinbarten Erbteilung unter den Söhnen keinerlei Berücksichtigung fand, während seine drei älteren Brüder mit eigenen Erbteilen bedacht wurden.[2]

Johann war von kleiner Figur und soll nach unterschiedlichen Angaben zwischen 1,65 m und 1,68 m groß gewesen sein. Anfangs gut gebaut, soll er durch übermäßiges Essen in seinen späteren Jahren dick geworden sein.[3]

Um auch seinen jüngsten Sohn mit Landbesitz zu versorgen, arrangierte Heinrich 1172 Johanns Verlobung mit Adelheid, der älteren Tochter des Grafen Humbert von Maurienne. Adelheid hätte ein erhebliches Erbe mit in die beabsichtigte Ehe gebracht, und als Gegenleistung wollte Heinrich seinem Sohn die Burgen Chinon, Loudon und Mirebeau im Poitou übergeben. Das Poitou hatte er jedoch bereits seinem ältesten Sohn Heinrich dem Jüngeren versprochen. Die Übertragung der Burgen aus seinem Besitz, ohne ihn zu fragen, war der Anlass für die Rebellion des jüngeren Heinrich gegen seinen Vater, der sich Johanns ältere Brüder Richard und Gottfried anschlossen. Zwar gelang es Heinrich II., die Rebellion seiner Söhne 1174 niederzuschlagen, doch da Adelheid im selben Jahr starb, konnte die geplante Hochzeit Johanns mit ihr nicht mehr vollzogen werden.


Johann Ohneland auf seinem Thron. Matthew Paris, Abbreviatio Chronicorum, England, 1250–1259. London, The British Library, Cotton MS Claudius D VI, fol. 9v
Die Länder des angevinischen Reichs (rot) in Frankreich um 1180
König Johann und König Philipp II. besiegeln ihren Frieden mit einem Kuss. Buchmalerei aus dem 14. Jahrhundert
Die Ruine von Château Gaillard, nach dessen Fall Philipp II. von Frankreich 1204 die Normandie erobern konnte
Schlacht zwischen König Johann und König Philipp II. Buchmalerei aus dem 14. Jahrhundert
King John’s Castle in Limerick
Johann Ohneland auf einer Hirschjagd (Liber legum antiquorum regum um 1321 verfasst für die Guildhall in London). London, The British Library, Cotton MS Claudius D. II, fol. 116r
Die Ruine von Corfe Castle in Südengland, das Johann als Residenz, Festung, Gefängnis und Schatzkammer diente
Schlacht von Bouvines. Buchmalerei des 13. Jahrhunderts
Eine der vier erhaltenen Ausgaben der Magna Carta von 1215 (British Library)
Grab König Johanns in der Kathedrale von Worcester