Joseph II.


Joseph II.[1] (* 13. März 1741 in Schloss Schönbrunn; † 20. Februar 1790 in Wien) war von 1765 bis 1790 als erster Angehöriger des Hauses Habsburg-Lothringen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.[2]

Von 1765 bis 1780 amtierte Joseph, den die Kaiserwürde alleine nur titularisch aufwertete, als Mitregent seiner Mutter Maria Theresia in den Ländern der Habsburgermonarchie, ab 1780 übte er die Herrschaft als Erzherzog von Österreich allein aus. Joseph gilt als ein Exponent des aufgeklärten Absolutismus und setzte ein ehrgeiziges Reformprogramm in Gang (Josephinismus, Toleranzpatent, Aufhebung der Leibeigenschaft). Kurz vor Ende seines Lebens sah er sich gezwungen, zahlreiche seiner Reformvorhaben wieder zurückzunehmen.

Erzherzog Joseph von Österreich-Lothringen wurde am 13. März 1741 als ältester Sohn der österreichischen Regentin Maria Theresia und deren Gemahl Großherzog Franz Stephan von Lothringen in Schloss Schönbrunn geboren. Nach drei Töchtern war Joseph der ersehnte männliche Thronfolger und wurde noch am Tag seiner Geburt auf die Namen Josephus Benedictus Joannes Antonius Michael Adamus getauft. Als Taufpaten dienten Papst Benedikt XIV., stellvertreten durch den Wiener Fürstbischof Kardinal Sigismund von Kollonitz, sowie der polnische König August III., der durch Reichsgeneralfeldmarschall Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen vertreten wurde. Der zweite und der dritte Vorname wurden zu Ehren der beiden Taufpaten gewählt.[3]

Zum Zeitpunkt von Josephs Geburt stand Maria Theresia unter großem politischen und militärischen Druck, der den Fortbestand der Habsburgermonarchie gefährdete. Ihr Herrschaftsanspruch, begründet durch die Pragmatische Sanktion, wurde von Bayern, Sachsen, Spanien und Preußen nicht anerkannt, was aufgrund territorialer Ansprüche zum Ausbruch des Ersten Schlesischen Krieges (1740–1742) und schließlich des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740–1748) führte. Mit dem Wittelsbacher Karl VII. wurde 1742 erstmals seit über 300 Jahren kein Angehöriger des Hauses Habsburg zum römisch-deutschen König gewählt. Die Geburt eines männlichen Erben war somit für Maria Theresia von enormer politischer Bedeutung, da sie sich nun als Regentin ihres minderjährigen Sohnes präsentieren und ihren eigenen Thronanspruch festigen konnte. Nach dem überraschenden Tod Karls VII. (1745) gelang es ihr, durch den Frieden von Füssen die Wahl ihres Ehemannes Franz Stephan (als Franz I. Stephan) zum römisch-deutschen König durchzusetzen und damit den Suprematsanspruch ihrer Dynastie wiederherzustellen.


Joseph II. um 1776 (Gemälde von Joseph Hickel)
Stammbaum von Joseph II.
Erzherzog Joseph um 1749 (Gemälde von Martin van Meytens)
Trauungszeremonie in der Augustinerkirche zwischen Joseph und Isabella (Martin van Meytens, um 1760/65)
Krönungszeremonie Josephs II. (Gemälde von Martin van Meytens), nach 1764
Joseph II. im Krönungsornat (Gemälde von Joseph Hickel)
Der schlichte Kupfersarg Josephs vor dem Prunkdoppelsarkophag seiner Eltern
Von Joseph errichtetes Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien (1784)
Joseph mit seinem ungeliebten Neffen Franz (II.) auf Truppenbesuch in Münchendorf (Martin Ferdinand Quadal, 1786)
In Josephs Auftrag geschaffen: Mozarts Così fan tutte (1790)
Medaille auf das Toleranzpatent (Johann Christian Reich).
Allegorie auf das Toleranzpatent (Léonard Defrance).
Aufhebung der Klöster in den Österreichischen Niederlanden (Léonard Defrance).
Abschied Josephs II.
von seinen Vertrauten, 1790 (Quirin Mark).
Joseph II. als Kultobjekt der Liberalen, 1828–1835 (Antonín Machek).
Großes Wappen Josephs II.