Kärntner Abwehrkampf


Der Kärntner Abwehrkampf (slowenisch Boj za severno mejo / Kampf um die Nordgrenze) war nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die bewaffnete Auseinandersetzung von Verbänden der provisorischen Kärntner Landesregierung mit Truppen des SHS-Staates um die staatliche Zugehörigkeit der vom SHS-Staat beanspruchten Gebiete im Südosten Kärntens, deren Bevölkerung zum großen Teil slowenisch sprach.

Nachdem der Kärntner Landesausschuss Kärnten am 25. Oktober 1918 für unteilbar erklärt hatte, drangen am 5. November 1918 Truppen des SHS-Staats wie zuvor in der Steiermark auch in Südostkärnten ein. Die SHS-Polizei rückte in das Rosen- und untere Gailtal vor. Am 11. November 1918 konstituierte sich das Land Kärnten und erklärte in seiner Landesverfassung den Beitritt zur Republik Deutschösterreich. Am 19. November 1918 wurde mit dem Ferlacher Abkommen eine Demarkationslinie auf Höhe der Stadt Bleiburg und dann Richtung Westen den Flüssen Drau, Gail und Gailitz folgend festgelegt.

Schon am 26. November 1918 wurde diese Linie von slowenischen Truppen überschritten und Ferlach, das nördlich der Drau gelegene Völkermarkt sowie die im südlichen Lavanttal gelegenen Orte Lavamünd und Sankt Paul im Lavanttal[2] besetzt. Die Kärntner Landesregierung verlegte ihren Sitz angesichts dieser Bedrohung nach Spittal an der Drau.

Am 5. Dezember 1918 beschloss die provisorische Kärntner Landesregierung unter dem Landesverweser Arthur Lemisch den bewaffneten Widerstand gegen ein weiteres Vordringen der SHS-Truppen, die seit dem 1. Dezember dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen unterstanden. Anlass war ein gemeinsamer Antrag aller Landtagsparteien, vertreten durch die Abgeordneten Fritz Dörflinger (GDVP), Florian Gröger (SDAP) und Konrad Walcher (CSP).[3] Die deutschösterreichische Regierung lehnte den Abwehrkampf offiziell ab – das hungernde Land war auf Lebensmittellieferungen aus dem SHS-Staat angewiesen –, unterstützte Kärnten jedoch unter anderem durch Material- und Truppensendungen.[4] Die Leitung übernahmen Oberstleutnant Ludwig Hülgerth als Landesbefehlshaber und Oberleutnant Hans Steinacher als Truppenführer.

Der Befreiungskampf, auch als Kärntner Abwehrkampf bezeichnet, begann am 14. Dezember 1918 mit der Abwehr des Angriffs auf Klagenfurt bei Grafenstein.[5] Das südliche Lavanttal konnte bis Jahresende befreit werden. Ein slowenischer Großangriff entlang der Drau am 3. Jänner 1919 konnte abgewehrt werden. Am 5. Jänner 1919 erfolgte im Gailtal die Rückeroberung von Arnoldstein sowie ein Vormarsch gegen das Rosental und am 8. Jänner die Rückeroberung von Ferlach. Am 14. Jänner wurde ein Waffenstillstand geschlossen; eine amerikanische Kommission (die sogenannte „Miles-Mission“, benannt nach ihrem Leiter Lt. Col. Sherman Miles) studierte vor Ort die strittigen Gebietsfragen.


Gedenkplatte eines Denkmals beim Silbersee in Villach, das an den Kärntner Abwehrkampf erinnert. Namentlich genannt werden die Maria Gailer Freiwillige Sturmkompanie, Volkswehrbataillon Nr. 4, Villacher Alarmkompanie und Heimwehrkompanie, sowie Abwehrkämpfer und KHD Einsatzleiter von Villach Oskar Kraus.
22 Abwehrkämpfer sind am Zentralfriedhof Villach beigesetzt
Die Abstimmungszonen A und B mit den Bedingungen für das Stimmrecht
Denkmal im Innenhof des Kärntner Landtags
Denkmal „Kärntner Abwehrkampf“ auf dem Grazer Schlossberg; enthüllt 1980 anlässlich der 60. Wiederkehr des Jahrestages der Kärntner Volksabstimmung