Königreich Preußen


Königreich Preußen bezeichnet den preußischen Staat zur Zeit der Herrschaft der preußischen Könige zwischen 1701 und 1918.

Die preußische Monarchie entstand aus den Gebieten Brandenburg-Preußens, nachdem sich Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg zum König in Preußen gekrönt hatte. Sie setzte sich aus Brandenburg, Pommern und weiteren Territorien, die zum Heiligen Römischen Reich gehörten, und dem vom Herzogtum nun zum Königreich erhobenen Preußen zusammen.

Im 18. Jahrhundert stieg Preußen zu einer der fünf europäischen Großmächte auf und wurde die zweite deutsche Großmacht nach Österreich. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts trieb es die Schaffung eines deutschen Nationalstaates entscheidend voran und war ab 1867 der dominierende Gliedstaat des Norddeutschen Bundes. 1871 wurde dieser Bund zum Deutschen Kaiserreich erweitert und der König von Preußen übernahm das Amt des Deutschen Kaisers. Mit der Abdankung des letzten Kaisers und Königs, Wilhelms II., infolge der Novemberrevolution 1918 wurde die Monarchie abgeschafft. Das Königreich ging im neu geschaffenen Freistaat Preußen auf.

Die Geschichte des Königreichs Preußen und seiner preußischen Staaten umfasst zwei markante Abschnitte: Die erste Hälfte von 1701 bis 1806, bekannt als die Zeit der altpreußischen Monarchie, und die „Neupreußische Monarchie“ von 1807 bis 1918. Die Jahre von 1806 bis 1809 führten zur Erneuerung sämtlicher Staatsinstitutionen in einem veränderten Staatsterritorium, altpreußische Traditionslinien und Strukturen wurden fallengelassen und es begann eine neue Zeitrechnung. Im Zuge der preußischen Reformen entstand der „Neupreußische Staat“.

Die Länder der Hohenzollerndynastie mit ihrem herrschaftlichen Schwerpunkt in der Mark Brandenburg waren 1700 nach europäischen Maßstäben eine Mittelmacht. Als Kurfürsten von Brandenburg hatten die Hohenzollern seit dem 15. Jahrhundert eine herausgehobene Stellung als Reichsstand im Heiligen Römischen Reich inne. Das Kaiserreich konnte sich nach 1648 noch einmal konsolidieren, doch war die politische Stellung der Reichsfürsten mit dem Westfälischen Frieden erheblich gestärkt worden. Mit ihrer Lage im Nordosten des Reichs war die Bindung der Hohenzollerngebiete an den Kaiser lockerer als in den zentralen Gebieten am Rhein und in Süddeutschland.[1] Bereits in den vorangegangenen Jahrhunderten hatten die brandenburgischen Kurfürsten, im Zuge der Reformationsauswirkungen und Glaubenskriege, im Ringen zwischen unitarischer Kaisermacht und polyzentrischer Fürstenmacht im Reich, auch zusammen mit den sächsischen Kurfürsten, zeitweise einen regionalen Gegenpol zur Kaisermacht gebildet.


Das brandenburgische Kurfürstenpaar (Friedrich Wilhelm (Brandenburg) und Luise Henriette von Oranien) bei der Kartoffelernte 1659 in Oranienburg (siehe auch Kulturgeschichte der Kartoffel)
Kurfürst Friedrich Wilhelm mit seinen Generälen, 1670er Jahre. Die Schlacht bei Fehrbellin 1675 prägte das preußische Sendungsbewusstsein und erzeugte den Gründungsmythos des preußischen Staats.
Das seit 1525 bestehende Herzogtum Preußen wurde 1701 zum Königreich erhoben.
Krönung Kurfürst Friedrichs III. von Brandenburg zum König Friedrich I. in Preußen, Königsberg 1701
Die Flagge des neugegründeten Königreichs 1701
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Das Berliner Stadtschloss erhielt um 1700 einen großformatigen Umbau in eines der größten Barockschlösser Europas unter Leitung von Andreas Schlüter
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Modellansicht des Berliner Stadtschlosses
Die territoriale Entwicklung Brandenburg-Preußens im 18. Jahrhundert: Gebietszuwächse während der Herrschaft Friedrichs I. in violetter, Friedrich Wilhelms I. in roter, Friedrichs II. in grüner, Friedrich Wilhelms II. in blauer Darstellung.
Richard Knötel: Friedrich Wilhelm I. im Lustgarten inspiziert das Potsdamer Infanterieregiment Lange Kerls
Tabakskollegium Friedrich Wilhelms I. in Königs Wusterhausen, um 1737
Gemälde vom Gegenbesuch Augusts in Berlin 1729, das die preußische Königsfamilie zeigt
Die bedeutendsten Gelehrten und Pädagogen Preußens bis 1750: Thomasius, Francke und Wolff
Konstantin Cretius: Empfang der Salzburger Protestanten durch König Friedrich Wilhelm I. in Berlin am Leipziger Tor am 30. April 1732, Ölgemälde um 1860
Seydlitz’ Kavallerieattacke in der Schlacht bei Roßbach 1757. Die Schlacht brachte im Nachgang publizistisch einen bedeutenden Anerkennungsschub für Preußen im Reich
Adolph von Menzel: König Friedrichs II. Tafelrunde in Sanssouci mit Voltaire (links) und den führenden Köpfen der Berliner Akademie, Ölgemälde von 1850
Georg Schöbel: Friedrich der Große und Voltaire in der Galerie des Schlosses Sanssouci, 1740er-Jahre
Blick vom Schlossplatz in die Königstraße. Das stets präsente preußische Militär exerziert auf dem Platz. 1788, Stadtmuseum Berlin, Gemälde Öl auf Leinwand von Carl Traugott Fechhelm
Robert Warthmüller: Der König überall, Ölgemälde von 1886. – König Friedrich II. begutachtet den Kartoffelanbau in Preußen. Die verklärende Darstellung zeigt Friedrich als „guten Landesvater“, der sich volksnah und aufopfernd um das Wohl seiner Bauern kümmert.
Blick vom Klausberg auf das Neue Palais.
Das Bild zeigt die Ankunft einer Gesellschaft am Neuen Palais im Juli 1775. Die sechsspännigen Kutschen sind am Schloss Sanssouci vorbeigefahren und fahren weiter zum Neuen Palais. In den beiden 6-spännigen Kutschen sitzen verschiedene württembergische und hessische Prinzen und Prinzessinnen. Auf einem Schimmel ist der König Friedrich II. zu erkennen.
Hintergrund: Friedrich hatte viele Geschwister und hatte dadurch auch viele angeheiratete Verwandte, mit deren Kindern und Enkelkindern er als Onkel in abgestuften Graden verwandt war, und die über ganz Europa verstreut lebten. Sie leisteten Dienst in seiner Armee und sie kamen auch zu ihrem königlichen Verwandten nach Berlin und Potsdam zu Besuch. Einmal im Jahr lud Friedrich alle diese Verwandten für drei Wochen zu sich nach Potsdam ein – in das Neue Palais.
Berlin vom Tempelhofer Berg aus gesehen Johann Friedrich Fechhelm 1781, Die Stadt entwickelte sich zu dieser Zeit zur zweitgrößten Stadt des Heiligen Römischen Reichs.
Anzeichen von Hybris vor dem Fall, preußische Offiziere schärfen ihre Säbel vor der französischen Botschaft in Berlin
Gebietsverluste (violett, grün) und -gewinne (rot, gelb) des preußischen Staates in der Zeit des Untergangs des Heiligen Römischen Reichs bis 1806. Infolge der Verluste durch den Frieden von Tilsit 1807 verblieb das braun dargestellte Territorium bei Preußen.
Napoleons Einzug in Berlin durch das Brandenburger Tor, 1806
Kant und seine Tischgenossen, Gemälde von Emil Doerstling (1892/93). Preußische Philosophen wie Wolff, Kant und später Hegel belebten den staatspolitischen Diskurs und lieferten die Grundlage für gesellschaftliche Reformen.
Beginn des Aufrufs An Mein Volk
Die Rückkehr der Quadriga des Brandenburger Tores 1814
Das Gebiet Preußens nach dem Wiener Kongress 1815 (dunkelblau)
Russisch-preußische Revue von Kalisch 1835
Jubelnde Revolutionäre nach Barrikadenkämpfen am 18. März 1848, Breite Straße in Berlin, im Hintergrund das Stadtschloss
Gewaltsame Auflösung der preußischen Nationalversammlung
Karikatur zur Ablehnung der Kaiserkrone der Frankfurter Nationalversammlung durch König Friedrich Wilhelm IV.
Otto von Bismarck, seit 1862 preußischer Ministerpräsident, seit 1867 norddeutscher Bundeskanzler
Die Proklamation des Deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871), zweite Fassung des Gemäldes für das Berliner Zeughaus von Anton von Werner, 1882. Das Gründungsereignis des neuen Staats geriet entsprechend der großen Bedeutung seiner Geburtshelfer zu einem Ereignis in Uniform. Selbst zivile Politiker wie Bismarck zeigen sich in militärischer Tracht. Menetekel der preußischen Staatskultur war der stets dominierende Militarismus
Preußen im Deutschen Reich 1871 (dunkelblau)
Der erste U-Bahnzug Berlins 1902
Die KWI für Chemie sowie physikalische Chemie und Elektrochemie 1912
Max Koner: Kaiser Wilhelm II. (1890). Ein französischer General kommentierte diese Pose mit den Worten: „Das ist kein Porträt, sondern eine Kriegserklärung!“[87]
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An der Ostsee.- Heringsdorf, Badeleben, 1909
Bundesarchiv Bild 183-H27213, Potsdam, Frühjahrsparade vor Stadtschloss.jpg
Potsdam, Frühjahrsparade vor Stadtschloss, 1910
Großstadtleben in Berlin 1912, auf der Höhe der Zeit
Allgemeine Stimmungslage in Preußen vor dem Sterben
Jeder Schuß – ein Russ’! Jeder Stoß – ein Franzos’! (Ergänzung: Jeder Tritt ein Brit!) Nun woll’n wir sie mal dreschen!
Die „König von Preußen“, das erste Schiff der Königlich Preußisch-Asiatischen Compagnie von Emden
Königliches Verbot, im Ausland hergestellte Textilien zu tragen, Berlin 1719
Das Gemälde Eisenwalzwerk (Moderne Cyklopen) zeigt eine Fabrikhalle in Deutschland während der Hochindustrialisierung, um 1875
Der späte Schlafbursche von Heinrich Zille
Heinrich Zille: Standesunterschiede auch beim Sitzen. (Comtor für Comte, frz. Graf)
Unterschiede eines Junkers und eines Arbeiters in Preußen um 1900
„Sie kommen nächstes Jahr nicht wieder nach Europa Miss Astor?“ – „Nein, Papa verträgt so schwer den Armeleutgeruch der europäischen Finanzwelt.“

Erläuterung: Blick auf die USA / American way of life
die neue preußische Elite: Die oberen Zehntausend / Adel und Geldadel 1908 in Preußen
Friedrich Wilhelm I. in der Schule Gemälde von Adolph Menzel
Die Ankunft der Lustjacht „Friedrich“ am 8. März 1708 in Berlin war ein vielbeachtetes öffentlichkeitswirksames Ereignis. Die Jacht war eine von drei Lustjachten des Königs und soll 100.000 RT gekostet haben. Sie diente vor allem der Verherrlichung des preußischen Königtums, in dessen Dienste die Kulturwerke dieser Zeit gestellt wurden[133]
Gemälde eines preußischen Hofmalers: „Sauhetze während einer Jagd Friedrich Wilhelms I. im Süden von Potsdam oder bei Wusterhausen im Herbst in den 1730ern“;
Grobheit, Unbeholfenheit und Ungerichtetheit kennzeichnen das frühe Entwicklungsstadium der preußischen Kunst, in einem Staat, der seinen Klimax noch nicht erreicht hatte
Gemälde von Adolph Menzel: Kronprinz Friedrich besucht den preußischen Hofmaler Pesne
Kaiser Wilhelm II. bei einer Militärparade am 9. Februar 1894 im Lustgarten in Potsdam.
Farblithografie von Carl Röchling (1855–1920);
Redeauszug des Deutschen Kaisers Wilhelm II. in Potsdam am 23. November 1891 bei einer Rekrutenvereidigung:

„Rekruten! Ihr habt jetzt vor dem geweihten Diener Gottes und angesichts dieses Altars Mir die Treue geschworen. Ihr seid noch zu jung, um die wahre Bedeutung des eben Gesprochenen zu verstehen, aber befleißigt euch zunächst, dass ihr die gegebenen Vorschriften und Lehren immer befolgt. Ihr habt Mir die Treue geschworen, das – Kinder Meiner Garde – heisst, ihr seid jetzt Meine Soldaten, ihr habt euch Mir mit Leib und Seele ergeben. Es gibt für euch nur einen Feind, und das ist Mein Feind. Bei den jetzigen sozialistischen Umtrieben kann es vorkommen, dass ich euch befehle, eure eigenen Verwandten, Brüder, ja Eltern niederzuschießen – was ja Gott verhüten möge –, aber auch dann müsst ihr Meine Befehle ohne Murren befolgen.“[143]

Erläuterung: Den Oberbefehl über das Heer hatte nach der Verfassung der König.
Der preußische Thron, ein formelles verortetes Zentrum der Monarchie, befand sich im Weißen Saal des Berliner Stadtschlosses
Ein Eisernes Kreuz aus dem Jahr 1813 – Revers, das Avers ist glatt
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Für Wilhelm II. angefertigte preußische Königskrone
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Preußisches Koppelschloss aus dem Jahr 1847
Preußische Gesetzsammlung 1907
Das abgebildete Gemälde findet sich in vielen Büchern und Zeitschriften wieder. Es zeigt den Bau eines Straßenzugs in der Vorstadt Friedrichstadt in Berlin in der Phase der Pfahlgründung als Fundamentsetzung. Das Stadtgebiet Berlins wurde unter Friedrich Wilhelm I. erheblich vergrößert. Die südliche Friedrichstadt, der wichtigste neue Stadtteil Berlins, erhielt seit 1735 eine geschlossene Bebauung mit zwei(voll-)geschossigen Typenhäusern unter durchlaufenden Mansarddächern. Überwacht wurde der Ausbau von Oberst Christian Reinhold von Derschau. Die meisten Bauten entstanden erst, nachdem preußische Offizielle oder der König selbst entsprechenden Druck auf die (unfreiwilligen) privaten Bauherren ausgeübt hatten.[169] In der Friedrichstadt wurden von 1721 bis 1737 beinahe 1000 neue Häuser errichtet (Ganz Berlin 1711: 4100 Häuser, 1740: 5400 Häuser). Der schlechte Baugrund machte aufwendige Pfahlgründungen notwendig. Um die Fertigstellung des Viertels auf kostensparende Weise und in kürzester Zeit zu ermöglichen, wurde der Einsatz von Soldaten angeordnet.[170]
Ein Reichs Thaler Friedrich II 1777
Preußisches Posthausschild
Verwaltungsgliederung am 1. Januar 1900
Einzug der Kurfürsten 1612 in Frankfurt am Main. Entsprechend der Bildbeschriftung(„…, Brandenburg schlecht“), galt Brandenburg (und damit auch Preußen) in der Reichsöffentlichkeit/ Reichsmeinung bis Ende des 17. Jahrhunderts als „schlechtestes“ der Kurfürstentümer im Reichsgefüge und die Hohenzollern als „arme Emporkömmlinge“
No. 8 & No. 9 Carlton House Terrace, The Mall (ehemals Preußische Gesandtschaft und Deutsche Botschaft bis 1955), siehe auch: Liste der preußischen Gesandten im Vereinigten Königreich
Die Mark Brandenburg 1415
Erwerbungen von 1415 bis 1618
Erwerbungen von 1618 bis 1648
Erwerbungen von 1648 bis 1740
Erwerbungen von 1740 bis 1786
Erwerbungen von 1786 bis 1803
Das norddeutsche Tiefland ist ein Teilbereich des mitteleuropäischen Tieflandes (grüne Flächensignatur), das sich von Belgien im Westen bis nach Polen im Osten erstreckt
10-Euro-Gedenkmünze der Bundesrepublik Deutschland, Friedrich II., Motivseite
Ehrenwache am Grab Friedrich II. aus Anlass des 300. Geburtstag
Das beschmückte Grab Friedrichs II. 2011, Bestandteil eines volkstümlichen und nachhallenden Friedrichkkults
Lange Kerls anlässlich des Besuchs der Queen im Jahre 2004 auf Schloss Cecilienhof