Kapitalbilanz


Die Kapitalbilanz (englisch capital account) erfasst als Teilbilanz der Zahlungsbilanz die Direktinvestitionen, Wertpapieranlagen, Finanzderivate und Mitarbeiteraktienoptionen, den übrigen Kapitalverkehr sowie die Währungsreserven eines Staates innerhalb einer bestimmten Rechnungsperiode.

Wie alle Bilanzen, so ist auch die Kapitalbilanz eine Gegenüberstellung von Aktivseite und Passivseite.[1] Die Differenz zwischen beiden heißt Saldo, der auf der Seite mit den betragsmäßig geringeren Bilanzpositionen erscheint, so dass die Kapitalbilanz formal stets ausgeglichen ist.

Zur Zahlungsbilanz – die sämtliche Transaktionen des Inlands mit dem Ausland erfasst – gehören die Teilbilanzen Leistungsbilanz, Devisenbilanz, Vermögensänderungsbilanz, Kapitalbilanz und Restposten. Dabei folgt die deutsche Zahlungsbilanzstatistik den 2009 aufgestellten Konzepten und methodischen Vorgaben des Internationalen Währungsfonds (IWF)[2] seit 2014. Sie enthalten Regelungen zur Zahlungsbilanz und zum Auslandsvermögensstatus. Die Kapitalbilanz wird hierin definiert als Bilanz mit Forderungen und Verbindlichkeiten für nicht-produziertes und nicht-finanzielles Vermögen und Kapitaltransfers zwischen Inländern und Ausländern. Sie erfasst Anschaffung und Veräußerung dieses Vermögens wie beispielsweise Verkauf, Vermietung und Lizenzen.[3]

Die in der Leistungsbilanz abgebildeten realwirtschaftlichen Transaktionen (Güterströme der Exporte und Importe) haben meist einen monetären Zahlungsstrom zur Folge, der überwiegend durch Gegenbuchung in der Kapitalbilanz abgebildet wird.[4] Die Kapitalbilanz ohne Auslandstransaktionen der Zentralbank ist die Kapitalbilanz im engeren Sinn. Diese und die Devisenbilanz ergeben (einschließlich ungeklärter Restposten) die Kapitalbilanz im weiteren Sinne. Spricht man von der Kapitalbilanz, ist die Kapitalbilanz im engeren Sinne gemeint.[5]

Die Kapitalbilanz zeigt insgesamt Kapitaltransfers von Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Inländern und Ausländern und die Anschaffung und den Erwerb von nicht-produziertem und nicht-finanziellen Vermögen.[7]

Unter „nicht-produziertem und nicht-finanziellen Vermögen“ sind natürliche Ressourcen (Land, Wasser, Fischereirechte), immaterielle Vermögensgegenstände (wie Lizenzen, Patente oder Vermietungen) und Firmenwerte (Logos, Marken, Trademarks, Domainnamen) zu verstehen.[8] Nach diesem neuen Konzept ist die Veränderung der zugrunde liegenden Bestände ausschlaggebend. Zunahmen bei Forderungen und Verbindlichkeiten erhalten ein Plus-, Abnahmen dagegen ein Minuszeichen. Dadurch ändert auch der Saldo der Kapitalbilanz sein Vorzeichen. Anders als bisher signalisiert jetzt ein Plus (positiver Saldo der Kapitalbilanz) einen Netto-Kapitalexport ins Ausland, weil damit eine Zunahme des Netto-Auslandsvermögens verbunden ist, ein Minuszeichen signalisiert einen Netto-Kapitalimport aus dem Ausland.