Kapitalstruktur


Unter Kapitalstruktur versteht man in der Bilanzanalyse die Zusammensetzung des Gesamtkapitals eines Unternehmens aus Eigenkapital und Fremdkapital. Korrespondierend hierzu gibt es auf der Aktivseite der Bilanz die Vermögensstruktur.

Das aus Eigenkapital und Fremdkapital bestehende Gesamtkapital eines Unternehmens finanziert dessen Gesamtvermögen. Das Fremdkapital steht dem Unternehmen kurz- und/oder mittel- und/oder langfristig zur Verfügung, Eigenkapital hingegen ist unbefristet. Den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital ermittelt man mit der Eigenkapitalquote, den entsprechenden Anteil des Fremdkapitals mit der Fremdkapitalquote. Das Fremdkapital ist zu verzinsen, der hierfür anfallende Zinsaufwand muss durch entsprechende Umsatzerlöse verdient werden. Deshalb darf die Fremdkapitalquote nicht zu hoch ausfallen, weil dann Verlustgefahren entstehen, durch die die Fremdkapitalquote noch weiter zunimmt.

Man unterscheidet allgemein zwischen der vertikalen und horizontalen Kapitalstruktur.[1] Bei der vertikalen Kapitalstruktur werden die Eigenkapital- und Fremdkapitalquote als Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital zum Gesamtkapital ermittelt. Die horizontale Kapitalstruktur untersucht die Anlagendeckung, also inwieweit das Eigenkapital das Anlagevermögen und das Fremdkapital das Umlaufvermögen deckt.

Die richtungweisenden Irrelevanzthesen von Franco Modigliani und Merton Miller vom Juni 1958 stellen die bekannteste Veröffentlichung zur Theorie der Kapitalstruktur dar.[2] Sie gehen in ihrem Aufsatz davon aus, dass bei einem (irrealen) vollkommenen Markt ohne Steuern,[3] Insolvenzkosten, Informationsasymmetrie und Transaktionskosten jede Kapitalstruktur gleich gut sei, weil Veränderungen der Kapitalstruktur keine Auswirkungen auf den Unternehmenswert hätten. Der Unternehmenswert kann aber in der Realität dadurch maximiert werden, dass der gegebene Anteil von Eigen- und Fremdkapital die durchschnittlichen Kapitalkosten minimiert.[4]

Da es in der Wirtschaftspraxis nur unvollkommene Märkte gibt, ist für eine gesunde Finanzierung die Kenntnis über die vorhandene Kapitalstruktur notwendig. Wird durch eine gesunde Finanzierung der Unternehmenswert mit Hilfe einer optimalen Dimensionierung von Eigen- und Fremdkapital maximiert, liegt eine so genannte optimale Kapitalstruktur vor.

Praktische Regeln zur optimalen (horizontalen) Kapitalstruktur stellen die Finanzierungsregeln dar. Die goldene Bilanzregel besagt in ihrer strengen Form, dass das Anlagevermögen mit Eigenkapital gedeckt sein muss und dass für das Umlaufvermögen Fremdkapital eingesetzt werden darf.[1] Sie lautet