Kavallerie


Als Kavallerie oder Reiterei bezeichnet man eine in der Regel zu Pferd mit Blank- und Handfeuerwaffen kämpfende Waffengattung der Landstreitkräfte. Im 20. Jahrhundert wurden im Zuge der allgemeinen Motorisierung Kavallerieverbände zwar meist aufgelöst oder in mechanisierte Infanterie oder Panzertruppen umgewandelt, behielten dann aber oft aus Traditionsgründen noch ihre hergebrachten Verbandsnamen. Berittene Truppenteile werden heute meist nur noch zu Repräsentationszwecken eingesetzt.

Das Wort „Kavallerie“ wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts dem gleichbedeutenden französischen Wort cavalerie entlehnt, das wiederum auf das gleichbedeutende italienische cavalleria zurückgeht. Das Wort ist wiederum eine Ableitung des italienischen cavaliere (dt. Reiter), das von cavallo bzw. caballus (ital./lat. für ‚Pferd‘) abgeleitet ist. Ein erster schriftlicher Beleg auf Deutsch wird auf das Jahr 1569 datiert.[1]

Aufgrund der etymologischen Herleitung werden üblicherweise nur mit Pferden berittene Truppen als „Kavallerie“ bezeichnet, auch wenn in Wüstenregionen zuweilen auch Kamele als militärische Reittiere eingesetzt wurden. Kriegselefanten werden nicht als Teil der Kavallerie betrachtet, ebenso wenig einzelne berittene Offiziere anderer Waffengattungen oder zu Reitzwecken verwendete Tragetiere.

Die Kavallerie war neben der Infanterie die wichtigste, bisweilen sogar stärkste militärische Truppengattung während der Antike, des Mittelalters und der Renaissance. Während der Kreuzzüge spielte sie eine wichtige Rolle. In der militärischen Taktik waren berittene Einheiten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Faktor.

Mit ihren Vorzügen – Mobilität, Schnelligkeit und Durchschlagskraft – stellte die Reiterei eine Erweiterung taktischer Möglichkeiten dar. Wahrscheinlich entstanden die ersten Pferderüstungen im antiken Zentralasien. Die an die eurasischen, von Reiternomaden bevölkerten Steppen angrenzenden Hochkulturen mussten sich durch den Aufbau eigener Reiterheere an Waffentechnik und Kriegstaktik der Nomadenvölker angleichen. Zuerst erfolge diese Verreiterung wohl in China.

In Persien, in Osteuropa und Byzanz wurden Reiter und Schlachtrosse schon ab der Spätantike mit einem Überwurf aus Schuppen- oder später Kettengeflecht geschützt. Zur Ausrüstung der Reiter gehörten der Metallhelm, die Stoßlanze, das lange Reiterschwert, Pfeil und Bogen und (seit dem 6. Jahrhundert bei den Awaren) der Steigbügel. Im Fränkischen Reich stand die Entstehung des naturalwirtschaftlich fundierten Lehnswesens in engem Zusammenhang mit der Notwendigkeit einer dezentralen Beschaffung von Waffen und Futter durch die Reiterkrieger selbst, mit einer Agrarreform, dem verstärkten Anbau von Futterpflanzen und dem Rückgang der Bedeutung der Geldwirtschaft.[2]


Angriff der Royal Scots Greys in der Schlacht bei Waterloo 1815 (Gemälde von Elizabeth Thompson aus dem Jahr 1881)
Voll bewaffneter Reiter (Griechenland, um 550 v. Chr.)
Römischer Hilfstruppenkavallerist aus dem Köln flavischer Zeit.
Sassanidischer Panzerreiter (Kataphrakt)
Karolingischer Panzerreiter (8.–10. Jh.)
Video: Militärische Nutzung der Pferde
Kosaken verfolgen französische Reiterei, Russlandfeldzug 1812
Französischer Kürassier, napoleonische Epoche
Britisches 17th Regiment of (Light) Dragoons im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg mit Kaskett (1775)
Polnischer Flügelhusar, 17. Jh.
Deutscher Kavallerist im September 1914, Deutsch-Südwestafrika
Die 7th US-Cavalry bei amphibischer Landung auf Leyte, 20. Okt. 1944
Italienische Corazzieri bei einer Parade (2006)
Porträt eines Dragoners der Stadt und Republik Bern aus dem 18. Jahrhundert