Kelten


Als Kelten (altgriechisch Κελτοί Keltoí oder Γαλάται Galátai, lateinisch Celtae oder Galli) bezeichnet man seit der Antike Volksgruppen der Eisenzeit in Europa. Archäologische Funde zeugen von einer ausgeprägten Kultur und hochentwickelten sozialen Struktur dieser Volksstämme.

Beim Namen der Kelten dürfte es sich nach dem Zeugnis der Geschichtsschreiber Herodot und Diodor,[1] dann auch Gaius Iulius Caesars[2] und Strabons[3] um eine Eigenbenennung der Bewohner Zentralgalliens handeln.[4] Die Bedeutung des Namens liegt dabei im Dunkeln. Möglich ist die Ableitung von verschiedenen indogermanischen Wurzeln, darunter *ḱel- ‚verbergen‘[5], *kel- ,emporragen‘[4] und *kelh₂- ‚schlagen‘.[6] Die letztgenannte Wurzel ergab ein protokeltisches *kladiwos, von dem vielleicht auch lateinisch gladius herrührt.[7]

Die Namen „Gallier“ und „Galater“ werden dagegen von einer indogermanischen Wurzel *gal- ,stark sein, (physisch) imstande sein‘ abgeleitet, das sich in den inselkeltischen Sprachen als gal ,Macht, Stärke, Tapferkeit‘ erhalten hat.[8][4][9] Zum Teil werden aber auch beide Namen als verwandt angesehen und zur Wurzel *gal- gestellt.[10] Die Bedeutung des Ethnonyms wird dementsprechend als „die Mächtigen, Erhabenen, Starken“[11] oder als „die Hohen, Hervorragenden“[4] angegeben. Im Falle der Ableitung von *ḱel- ‚verbergen‘ wird eine Form *kltós angenommen, deren Bedeutung in diesem Fall ,Verborgene, Nachkommen des verborgenen Gottes (der Unterwelt)‘ wäre. Laut Caesar[12] führten die Gallier ihre Herkunft auf einen Unterweltsgott („Dis Pater“) zurück.[13]

Der Begriff Kelten geht auf griechische Überlieferungen bei Herodot[14] und anderen Autoren aus dem 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. zurück, bei denen Volksstämme von den Quellen der Donau bis zum Hinterland von Massilia (Marseille) als Keltoi bezeichnet werden. Griechische und römische Schriftsteller kannten jeweils nur einen Teil der heute als keltisch angesehenen Stämme. Sie übertrugen die Bezeichnung Kelten auf weitere Stämme und Völker, die sie als zusammengehörend wahrnahmen.

Je nach Fachgebiet oder Sichtweise bezeichnet der Begriff Kelten entweder eine mittel- und westeuropäische Sprachengemeinschaft (sprachwissenschaftliche Definition), Siedlungsgemeinschaften mit einer ähnlichen materiellen Kultur (archäologische Definition) oder Volksstämme mit denselben Gebräuchen und Glaubensvorstellungen (ethnologische Definition). Hinzu kommt die Auffassung, Kelten seien die von Griechen und Römern als keltisch angesehenen Völker.


Verbreitung keltischer Völker und Sprachen:
  • Gebiet der Hallstattkultur im 6. Jh. v. Chr.
  • Größte keltische Ausdehnung um 275 v. Chr.
  • Lusitania (keltische Besiedlung unsicher)
  • Die sechs „keltischen Nationen“ mit keltischen Sprachen in der Neuzeit
  • Heutiges Verbreitungsgebiet keltischer Sprachen
  • Der Sterbende Gallier, römische Kopie eines hellenistischen Originals (Kapitolinische Museen, Rom): Das verlorene Original war Teil eines Siegesmonuments für Attalos I. (269–197 v. Chr.). Die Statue zeigt einen keltischen Krieger mit typischer Haartracht und Torques.
    Keltische Sprachen in der Neuzeit: Verbreitung und Sprecherzahlen
    Bronzene Schnabelkanne aus dem Asperger „Fürstengrab“, um 500 v. Chr. (Landesmuseum Württemberg, Stuttgart)
    Rekonstruktion des Wagengrabes von Bell, um 500 v. Chr.
    Der Sterbende Gallier, römische Kopie eines hellenistischen Originals, um 225 v. Chr.
    Der Wandsworth-Schild im Latène-Stil, um 200 v. Chr. (British Museum, London)
    Keltisches Schwert, etwa 60 v. Chr. (Metropolitan Museum of Art, New York)
    Bund-ro-altburg.jpg
    Celtic settlement-Open-Air Archaeological Museum Liptovska Mara - Havranok, Slovakia 1.jpg
    02018 0319 Eine Eisenzeit-Hütte im keltischen Dorf am San in Sanok, Skansen.jpg
    Rekonstruktionen von Latènesiedlungen in der Altburg bei Bundenbach, im slowakischen Havránok und im Sanok am San
    Druiden, Basrelief aus Autun
    Porträt einer festlich geschmückten Keltin, Grabrelief (Außenwand der Kirche in Klagenfurt-Lendorf)
    Porträt einer Keltin mit der typischen Kopfbedeckung, Grabrelief (Lapidarium des Landesmuseums Kärnten, Klagenfurt)
    Detail des Gundestrup-Kessels mit der Darstellung eines gehörnten Gottes oder Priesters, Latènezeit
    Keltische Silbermünze vom Dünsberg, so genanntes Tanzendes Männlein. Replikat
    Rekonstruktion eines Keltendorfes bei Steinbach am Donnersberg
    Silberner Halsring eines keltischen Fürsten aus Trichtingen
    Goldverzierte Schale aus dem Schwarzenbacher Fürstengrab