Keltische Anderswelt


Die Anderswelt, auch Anderwelt, Andere Welt, Anderes Land, ist in der keltischen Mythologie der auf einer anderen Ebene existente Wohnort verschiedener mystischer Wesen und mythischer Personen. Die Anderswelt ist unmittelbar neben der vertrauten Welt der Menschen in Hügeln, auf Inseln und am Grunde von Seen und des Meeres angesiedelt. Der Zugang, z. B. durch Höhleneingänge, ist den Normalsterblichen nur unter bestimmten Bedingungen – mit oder ohne Einverständnis der Anderswelt-Bewohner – möglich.

Der lateinische Begriff für eine andere Welt lautet orbis alius. Er wird von dem römischen Dichter Marcus Annaeus Lucanus (39–65) in seinem Epos De bello civili verwendet, um die auch von Caesar[1] berichtete Lehre der Druiden von der Seelenwanderung zu umschreiben:

“[…] Vobis auctoribus umbrae non tacitas Erebi sedes Ditisque profundi pallida regna petunt: regit idem spiritus artus orbe alio.”

„Nach eurem Zeugnis gehen die Schatten nicht zum schweigsamen Wohnsitz des Erebus und in das bleiche Reich des Dis: Derselbe Atem regiert die Glieder in einer anderen Welt.“[2]

Die mittelalterliche keltische Literatur der Mönche auf den britischen Inseln gibt dem Begriff die Deutung „Jenseitige Welt“.[3]

Ein wesentlicher Unterschied zwischen der keltischen Anderswelt und den sie zeitlich und räumlich umgebenden mythologischen Jenseitsvorstellungen anderer Kulturen besteht darin, dass sie nicht nur von den „Göttern“ und deren „Helfern“ betreten und verlassen werden kann, sondern dass dies auch den Menschen möglich ist – sei es im Verlauf ihres diesseitigen Lebens oder danach.