Kirchdorf (Siedlungstyp)


Kirchdorf bezeichnet in der Siedlungsgeographie eine unterste Mittelpunktsiedlung. Die Ortschaft versorgt einen meist kleinen, umliegenden Einzugsbereich aus wenigen Siedlungen religiös. Die traditionelle Kurzform „das Dorf“ dient der Hervorhebung.[2][3]

Die Amtlichen Ortsverzeichnisse für Bayern (nach dem Zweiten Weltkrieg) verstanden unter Kirchdorf eine Siedlung mit einer Kirche. Darin fanden regelmäßig Gottesdienste statt und es handelte sich nicht um eine Pfarrkirche. Erfasst wurde der jeweils aktuelle Stand. Das Ortsverzeichnis von 1991 nahm die Angaben nicht mehr systematisch auf. Diese Begriffsbestimmung floss nicht in die geographische Fachliteratur ein.[4][5][6][7]

Siedlungen mit einer höheren zentralörtlichen Funktion – die Unterzentren konnten ebenfalls kirchliche Dienste anbieten. Die Prignitz wuchs Mitte des 14. Jahrhunderts aus mehreren Ländchen zusammen. Ihre Zentren beherbergten Vögte, hielten Märkte ab usw. In Vier davon – Lenzen an der Elbe, Putlitz, Wittstock an der Dosse und Flecken Zechlin – standen die Kirche, das Pfarrhaus einer Großparochie. Sie umfassten mehrere kirchlose Dörfer. Großflächig bezeugten das erst die Protokolle der Generalvisitation der Reformationszeit. Dennoch gaben sie wohl den Zustand des Hochmittelalters, seit dem Landesausbau und der elbslawischen Missionierung wieder. Beides setzte mit dem Wendenkreuzzug von 1147 ein.[8][9][10][11][12]

Gabriele Schwarz verband die Entstehung in Europa mit zwei bestimmten Punkten – der Zeit, in der die ländliche Bevölkerung nahezu komplett als Selbstversorger lebte, und den Streusiedlungen. Mehr religiöse als wirtschaftliche Gründe hoben in ausgeprägten Streusiedlungsgebieten (nördliches und westliches Europa) eine Ortschaft heraus. Sie entwickelte eine geschlossene Ortsanlage, der dann die Bezeichnung Dorf zukam.[2]

Gerhard Henkel resümierte rückblickend aus Sicht des 19./20. Jahrhunderts. In den norddeutschen Streusiedlungsgebieten formten sich Kirchspiele. Einem zentralen Kirchdorf waren einige Einzelsiedlungsgruppen und kleinere Weiler (Synonym für Streusiedlung) angegliedert.[13]


Eine vielgestaltige Entwicklung zeigte Plessa. Die hie­sige Holz­kapelle gehörte zum Dia­konat in Elster­werda. Nicht jeden Sonn­tag fand eine Messe statt. Daher besuch­ten die Plessaer häu­figer den Gottes­dienst in Dreska. Die 1792 entstan­dene Dorf­kirche Plessa brannte 1811 mit dem ganzen Dorf ab. Zur im selben Jahr gebil­deten Paro­chie Plessa zählte die Dorf­kirche in Kahla. Ihre Mutter­kirche wurde 1814 neu erbaut. Das dazuge­hörige Pfarr­haus von 1865 führte zur Auf­lösung des Dia­konats Elster­werda. Plessa unter­standen das kirch­lose Kraupa sowie als Tochter­kirchen die zu Dreska und Kahla. Das 1896 wieder­errich­tete Dia­konat Elster­werda erhielt Dreska und Kraupa, bei Plessa verblieb Kahla. Am 1. Januar 1999 wurden Döll­ingen, Dreska, Hohen­leipisch, Kahla und Plessa zum Kirch­spiel Plessa zusammen­gefasst; die Dorf­kirche Plessa um 1911.[1]