Kirchweihe


Kirchweihe oder Kirchenweihe (kirchenrechtlich: lateinisch dedicatio ‚Widmung, Einweihung‘, veraltet auch: consecratio ‚Heiligung‘[1]; griechisch καθιέρωσις kathiérōsis, deutsch ‚Weihung, Einweihung‘ oder ἐγκαίνια enkaínia, deutsch ‚Erneuerungsfest‘) ist der Akt der festlichen Weihe einer Kirche, durch den der Kirchenraum der Kirchengemeinde zum liturgischen Gebrauch übergeben wird;[2] bei der Weihe einer Kathedrale wird volkstümlich auch der Begriff Domweihe verwendet. Eine Kirchweihe findet statt, wenn eine neuerbaute Kirche erstmals als Gotteshaus in Dienst genommen wird oder auch z. B. nach einer Renovierung.

Das frühe Christentum besaß keine eigenen heiligen Räume und unterschied sich in dieser Hinsicht sowohl vom Judentum als auch von anderen Religionen im Römischen Reich. Das wurde aber nicht als Mangel empfunden. Paulus von Tarsus erklärte seinen christlichen Lesern, ihr eigener Körper sei ein Tempel: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16). Diese Stelle aus dem Neuen Testament hat die altkirchlichen Theologen in ihren Äußerungen zum Thema Kirchengebäude stark geprägt. Daneben wurden aber auch Impulse aus dem Alten Testament wirksam, das die Weihe heiliger Orte (Zeltheiligtum, Steinmale, Jerusalemer Tempel) mehrfach thematisiert. Altes und Neues Testament haben also ein unterschiedliches Verständnis des heiligen Raumes, woraus sich eine Zweipoligkeit des theologischen Nachdenkens über den Kirchenraum ergibt.[3]

Zunächst dominierte der neutestamentliche Impuls. Clemens von Alexandria und Minucius Felix bekräftigten, dass Kirchenbauten keine Heiligkeit zukomme.[4] Eusebius von Caesarea teilte die Vorstellung, dass die Christen, die zum Gottesdienst zusammenkamen, eine heilige Gemeinde seien. Er nutzte in seinem Geschichtswerk die Einweihung der Kirche in Tyros im Jahr 315, um die Architektur symbolisch auf die hierarchisch strukturierte Kirche auszudeuten.[5] Ein interessantes Detail ist der hölzerne Lettner, der offenbar die Laien vom Altar fernhalten sollte. Die Kanones des Konzils von Laodicea (4. Jahrhundert) schlossen Frauen vom Betreten des Altarraums aus. Zunehmend finden sich in den Quellen Regelungen, wie sich die Gläubigen im Kirchenraum verhalten sollten.[6] Beispielsweise wurde in Laodicea auch reglementiert, „daß man nicht in den kirchlichen Räumen oder den Kirchen sogenannte Agapen veranstaltet und im Hause Gottes ißt und Speisesofas aufschlägt.“[7] Solche Verbote sind Indizien dafür, dass der Kirchenraum bereits als ein besonderer, heiliger Raum wahrgenommen wurde.


Feierliche Übertragung von Reliquien zu einer neuen Kirche. Elfenbein, Konstantinopel, 5. Jahrhundert (Trierer Domschatz)
Kirchweihe, Illustration eines Pontifikales aus dem 15. Jahrhundert
Andreaskreuz aus lateinischem und griechischem Alphabet (Bodenmosaik in Notre-Dame de la Daurade, Toulouse)
Altar der Johannes-Chrysostomos-Kirche in Preveza (Nordgriechenland); die Altartücher wurden wegen einer Restaurierung abgenommen. Man sieht die Ikonen an den Ecken und das Reliquiengrab.
Weihe der Kirche des Hospitals der Unschuldigen Kinder in Florenz: Predella des Altarretabels der Kirche, Bartolomeo di Giovanni (1488)
Weihe eines Altars durch den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf (2018)
Einweihung der Ansgarkapelle auf Björkö durch Erzbischof Nathan Söderblom (1930)
Einweihung der Dreieinigkeitskirche zu Regensburg (1631)